Ansprache zum 80.Kirchweihjubiläum von St. Bernhard

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Tradition und Lehre, Seelsorge und Mission

Als diese Gemeinde Sankt Bernhard vor 80 Jahren ihre Kirche erhielt, stand Frau Anna Mehlberg kurz vor ihrem 28. Geburtstag, war also bereits eine erwachsene und lebenserfahrene Frau. Sie hat die Gründung dieser Gemeinde bewusst erlebt und ihr lebenslang die Treue gehalten. Dass sie auch heute noch unter uns lebt, ist ein Umstand, der uns mit großer Freude erfüllt; wir dürfen das getrost als Zeichen der Treue Gottes auffassen. Es ist nicht möglich, und mir schon gar nicht, alle diejenigen aufzuzählen, die neben den Pfarrern über viele Jahre hinweg das geistige und organisatorische Leben dieser Gemeinde geprägt haben. Ich möchte stellvertretend neben Frau Mehlberg nur noch drei Namen erwähnen: Herrn Johannes Fahlbusch, Fräulein Marianne Scherer und Herrn Georg Bangen. Und unter unseren Verstorbenen möchte ich  - stellvertretend für sehr viele - drei Personen nennen: Frau Dagmar Jürgens (+ 2.3.2008) und das Ehepaar Werner und Elisabeth Lange (+ Januar 2009 und Juni 2013). Nur drei Pfarrer hat diese Gemeinde während der Zeit ihrer Selbständigkeit erlebt: Pfarrer Hermann Joseph Gebhardt, Pfarrer Max Kurzinski und Pfarrer Dr. Herbert Gillessen.  Alle drei herausragende Persönlichkeiten, auf die die Gemeinde stolz und über deren segensreiches Wirken sie glücklich sein kann und es auch ist. Viele dachten, mit der Fusion ist alles aus, wir sind ausgelöscht und verschwinden im Orkus der Geschichte. Ich gehöre dieser Gemeinde seit 20 Jahren an und damit immerhin auch schon einem Viertel ihres Alters, und bin überzeugt: Das stimmt nicht, St. Bernhard lebt weiter und bereichert das Leben der nun größer gewordenen Doppelgemeinde noch heute. Nach wie vor gehen Kinder aus dieser Gemeinde hervor, die hier getauft und in das kirchliche Leben eingeführt werden und die hier die hl. Kommunion empfangen. Auch in diesem Jahr sind Kinder aus dieser Gemeinde gefirmt worden. Wir haben einen Pfarrer und einen Kaplan, die sich mit Begeisterung und Hingabe und ohne auf die Uhr zu sehen um das Gemeindeleben kümmern.

Bei aller Trauer über den Verlust der Selbständigkeit sollten wir die Kirche im Dorf lassen: Welch unerhörtes Glück haben wir, in einer freien Gesellschaft zu leben, in der wir unseren Glauben ungehindert äußern, leben und weitergeben können. Gerade in diesen Jahren und Monaten erleben wir, wie unzählige Christen im Nahen Osten, in Nordkorea und in Afrika um Christi willen ihre uralte Heimat, ihre Kirchen, ihre Priester, ihre Freiheit und oft genug sogar ihr Leben verlieren. Sind wir uns dieses Glücks eigentlich bewusst? Sollten wir uns nicht verpflichtet fühlen, auch zu tun, was wir dürfen, statt unseren Glauben freiwillig ebenso schamvoll zu verstecken wie andere es gezwungenermaßen tun? Prägt der Heilige, dessen Namen die Gemeinde trägt und dessen Andenken sie auf diese Weise ehrt, ihren Geist? Ich meine: Ja. St. Bernhard ist nicht nur eine Bezeichnung der Gemeinde, um sie von anderen zu unterscheiden. Der heilige Bernhard, der große Apologet und Verehrer der Jungfrau Maria, hat das Leben dieser Gemeinde geprägt und tut es auch heute noch. Von diesem Heiligen haben wir die Säulen übernommen, auf denen unsere Gemeinde ruht: Tradition, Lehre, Seelsorge, Mission. Die Tradition bewährt sich hier vor allem in einer sorgfältig und schnörkellos rein gefeierten Liturgie und in der Pflege der Kirchenmusik. Aber Tradition bedeutet ja nicht nur Rückschau und Brauchtumspflege, sondern im Wortsinne Weitergabe.

Den Glauben weitergeben an die nächste und übernächste Generation, ohne ihn selbst zu verlieren - auch das war stets ein besonderes Anliegen dieser Gemeinde. Der frühere Elternkreis, die frühere Kindergartengruppe, aber auch die Vortragsreihen über den Katechismus der katholischen Kirche und den Youcat zeugen davon. Die Lehre hat in dieser Gemeinde immer bedeutet, die Glaubenswahrheiten unserer Kirche mit einem gewissen intellektuellen Anspruch zu verkünden.

Wie viele hervorragende Predigten sind in dieser Kirche, wie viele gute und lehrreiche Vorträge sind in diesem Saal schon gehalten worden! Wie zahlreich sind die geistigen Impulse, die von hier ausgesandt worden sind, ihren Weg in die Herzen der Zuhörer fanden und dort oft genug mehr als bloß passive Resonanz, sondern aktives Tun ausgelöst haben! Und mit dem Forum Bernhardinum hat unser Pfarrer erneut gezeigt, dass der Geist zwar weht, wo er will, dass man ihm die Richtung manchmal aber auch schmackhaft machen kann und dass es dann gelingt, wie ein Segler aus dem Wind Vortrieb zu gewinnen. Auch die Seelsorge war und ist ein Schmuckstück unseres Gemeindelebens. Die Kleinheit unserer Gemeinde hat es lange Zeit möglich gemacht, dass der Priester fast alle Mitglieder seiner Gemeinde persönlich kannte. Ich erinnere an Pfarrer Gillessens Spruch, Kommunionsunterricht sei Chefsache. Er ließ sich diese eminent wichtige Aufgabe nicht von berufenen oder unberufenen Laien aus der Hand nehmen und nahm den Unterricht zum Anlass, alle Eltern der Kommunionkinder der Reihe nach persönlich aufzusuchen. Was er dort manchmal vorfand an Unordnung und frühem Leid, hat er bisweilen in seinen Predigten anklingen lassen; aber oft ist es ihm gelungen, zu finden, was verloren, und zu heilen, was verwundet war. Das ist Seelsorge! Wie sie übrigens in einer künftigen Supergemeinde mit 20.000 Seelen möglich sein soll, in dem der Glaube angeblich Raum gewinnen und sich nicht im Raum verdünnen soll, ist noch ein Geheimnis und jedenfalls mir ein Rätsel. Letztlich: die Mission. Wie viele Konversionen hat diese Gemeinde erlebt! Als ich hierher kam, traf ich immer wieder Konvertiten, bis mir anhand eines von Frau Barbara Koenig angeregten Treffens aller Konvertiten klar wurde, dass die geborenen Katholiken unter den aktiven Gemeindemitgliedern fast eine Minderheit bildeten. Wer nicht als Kind aus der Kirche hervorgeht und als „kölsch katholisch" seinen Glauben oft ohne große Reflexion lebt, sondern als Erwachsener von außen zur katholischen Kirche hinzukommt, tut es mit größerer Überzeugung, mit wachem Bewusstsein. Er bringt mit, was er in seiner früheren Kirche gelernt hat; er ist die treibende Kraft, das Schlechte gut und das Gute besser zu machen. Wir haben das oft erfahren. Und da nichts überzeugender ist als ein Vorbild, hat diese Gemeinde einen für meine Begriffe fast beispiellosen Missionserfolg aufzuweisen. So wollen wir denn mit Dank in die Vergangenheit, mit Selbstvertrauen in die Gegenwart und mit Zuversicht in die Zukunft blicken. Zwar hat die Gemeinde keine Bestandsgarantie auf ewig. Aber ein wenig nimmt sie doch Teil an der Verheißung Christi, dass die Pforten der Hölle die Kirche nicht überwältigen werden.

Michael Groepper

 

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