Aus der Neujahrsansprache von Max Barthel (PGR)

0

Unsere Pfarrgemeinde ist Teil der Gesellschaft

Die Weltkirche war auch im letzten Jahr in unserer Gemeinde zu Gast. Mit Erzbischof Melki aus dem Libanon konnten wir einen wackeren und mutigen Christen kennenlernen, der in seiner Diözese um die Rechte und das Leben der ihm anvertrauten Katholiken kämpft. Hier sei erinnert, dass ein Neujahrsempfang in einem christlichen Pfarrhaus leider nicht überall auf unserem Erdball so ohne weiteres möglich ist. In diesem Zusammenhang freue ich mich, uns ein sehr berührendes Ereignis zurück ins Gedächtnis zu rufen. Das Leben, der Tod und die Beisetzung des Obdachlosen Jürgen Kindl aus Dahlem. Lange Zeit als Unruhestifter aus  St. Bernhard bekannt, fand er doch seinen Frieden mit Gott und den vielen Dahlemern, die er so gerne in Trunkenheit beschimpfte.

An dieser Stelle könnten sicherlich Andere bessere Geschichten über Jürgen Kindl erzählen, die es sich anzuhören lohnt. Ich habe Jürgen Kindl nie getroffen, geschweige denn kennengelernt und dennoch bin ich dankbar, dass wir durch den Einsatz einiger unsere Gemeinde ein Zeichen der christlichen Nächstenliebe in dieser Stadt setzen konnten. Ein herzliches Vergelt's Gott an alle Beteiligten! Durch ihre Liebe gegenüber dem Nächsten, hat unsere Gemeinde einen lautstarken Fürsprecher beim lieben Gott gefunden. Denn das soll er schon immer gekonnt haben: Sich Gehör verschaffen...

Ein besonderer Dank muss in diesem Jahr unserer Jugendgruppe gelten. Nach einigen Jahren des „Leerlaufs" haben sich Jugendliche gefunden, die sich wöchentlich in einem selbst eingerichteten Jugendraum in der alten Klause treffen und ganz bewusst Akzente der christlichen Nächstenliebe in unserer Umgebung setzen. Im Rahmen der letztjährigen „Aktion 72 Stunden" entstand ein Kontakt zu Heimkindern, den man mittlerweile fast schon als freundschaftlich bezeichnen kann. Während im Sommer zusammen auf dem Pfarrhof der Rosenkranz-Basilika gegrillt und gespielt wurde, konnte denselben Kindern eine Vielzahl an Geschenken zum Weihnachtsfest ermöglicht werden - auch dank großzügiger Spenden der Gemeinde. Initiiert und durchgeführt wurde all dies von der Jugendgruppe, der ich ganz besonders danke und ein gutes Jahr 2014 wünsche!

Während unsere Pfarrgemeinde durch die Fusion und die daraus entstandene große Vielfalt, lebendige und manchmal auch schwierige Jahre hinter sich hat, wird sie, werden wir, auch in Zukunft nicht so schnell zur Ruhe kommen. Papst Franziskus macht seinem Namen alle Ehre und schickt seine Kirche und ihre Würdenträger - bildlich gesprochen - hinaus in die Straßen zu den Menschen. Sinngemäß ähnliche Veränderungen strebt auch unser Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki an. Der Prozess „Wo Glauben Raum gewinnt" wird vor unserer Gemeinde nicht halt machen. Zukünftige Entscheidungen und Überlegungen der Gemeindegremien und der hauptamtlichen Mitarbeiter müssen mit dem Wissen um die mittelfristige Zukunft getroffen werden. Der Widerspruch bei solchen Veränderungen ist in jedem Fall verständlich und auch erwünscht, sollten gute Argumente vorliegen, doch darf er nie der Diskussion ausweichen und muss immer dem „größeren Zweck" dienen. Ich bitte uns alle darum, in den kommenden Jahren um das Wohl unserer Gemeinde, der Kirche und der Menschen zu streiten und eine Kultur des ehrlich gemeinten Austausches herbeizuführen. In letzter Konsequenz heißt das aber auch, Autoritäten in ihrem Entschluss zu akzeptieren und nicht gegen deren Willen zu wirken. Dazu ein kurzer Kommentar des Erzbischofs, der auf eine verkränkte und argumentativ nicht gehaltvolle Meinung eines Mitarbeiters im Bezug auf die neuen Pastoralen Räume  wie folgt reagierte: „Wir sind hier nicht bei Wünsch-dir-was, sondern so ist es!" 

Im Allgemeinen ordnet sich die nahe Zukunft unserer Kirchengemeinde aber gut in die der Weltkirche ein. Die Zahlen der Kirchenaustritte auf unserem Pfarrgebiet sind auch in diesem Jahr alarmierend. Nichts liegt also näher, als neue Wege zu gehen und uns von alten Strukturen zu verabschieden, sind wir doch als Erzbistum Berlin und Pfarrgemeinde Teil dieser Gesellschaft. So passt es, dass die Ziele der „neuen Pastoralen Räume" mit dem Kirchenverständnis unseres Papstes harmonieren. Dieser sagt nämlich: Mir ist eine verbeulte Kirche, die verletzt und beschmutzt ist, weil sie auf die Straßen hinausgegangen ist, lieber, als eine Kirche, die aufgrund ihrer Verschlossenheit und ihrer Bequemlichkeit, sich an die eigenen Sicherheiten zu klammern, krank ist." Lasst uns diesen Gedanken als Impuls für unser alltägliches Leben und Handeln nehmen.

Max Barthel ist seit 2011 berufenes Mitglied des Pfarrgemeinderats und wurde 2013 vom Gremium in den Vorstand gewählt.


 

Zurück

INFORMATIONEN


NEWS


GOTTESDIENST