Bernhard von Clairvaux: Der "Doctor marianus"

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Bernhard von Clairvaux: Der „Doctor marianus"

Von Matthias Walczak

„Bernhard von Clairvaux - ein schwieriger Heiliger." So lautete der Titel einer vor einigen Jahren im Bayerischen Rundfunk ausgestrahlte Filmdokumentation über das Leben des hl. Bernhard von Clairvaux (1090-1153). Ganz unzutreffend ist diese erste Beschreibung auf diesen großen Heiligen nicht, denn Bernhard hatte im Laufe seines Lebens viele Gesichter, die nicht alle unumstritten sind. Einerseits sehen wir ihn als den weltabgeschiedenen und gebetsfrommen Mönchen und Mystiker, der außerdem die Redekunst herausragend beherrschte und darum schon von seinen Zeitgenossen „honigfließender Lehrer" genannt wurde und der insgesamt über 500 Briefe und verschiedene theologische Abhandlungen verfasste. Andererseits nahm er auch die Rolle eines Kirchenpolitikers wahr und wirkte im Auftrag von Papst Eugen III. erfolgreich am Zustandekommen des zweiten Kreuzzuges (1147-1149), bis er sich dann am Ende seines Lebens endgültig für das Klosterleben entschieden hat. Bernhard selber wusste von seiner Hin- und Hergerissenheit zwischen dem Kloster und der Welt, zwischen Spiritualität und Politik, zwischen Tradition und Moderne. Drei Jahre vor seinem Tod schreibt er über sich: „Ich bin nämlich sozusagen ein Mischwesen in meiner Generation.".

Wenn nun in unseren Kirchen im Monat Mai die Litaneien zu Ehren der Jungfrau Maria erschallen, haben wir mit dem hl. Bernhard einen geistlichen Begleiter. Er war ein glühender Marienverehrer und hinterließ uns wunderbare marianische Texte und Abhandlungen. Wegen seiner Liebe zur Gottesmutter Maria wird er oft „Doctor marianus" genannt. Bernhard sieht Maria „zwischen Christus und der Kirche." Daraus folgt, dass „der Mond, d.h. die Kirche, die hingestreckt zu ihren Füßen ist, diejenige um Hilfe anruft, die als ihre Mittlerin bei der Sonne der Gerechtigkeit gesetzt ist" (B.v.C., Hom. in der Oktav der Aufnahme Marias in den Himmel: PL 183, 458). Dieses Bild des Mondes ist auch sehr schön an der Marienstatue in unserer Kirche St. Bernhard zu sehen.

Viele marianische Texte des hl. Bernhard könnten zur eigenen Betrachtung herangezogen werden. Doch sein wohl glühendster Text ist die „Lobrede auf die hl. Jungfrau" (In laudibus Virginis Matris, Homilia 2,17). Bernhard sieht Maria als Stern des Meeres: „Erheben sich die Stürme der Versuchung, befindest du dich inmitten der Klippen der Trübsale, blicke auf zum Stern des Meeres, rufe Maria zu Hilfe! Wirst du auf den Wogen des Hochmutes, des Ehrgeizes, der Verleumdung, des Neides hin und her geworfen, blicke auf den Stern, rufe Maria an. Wenn der Zorn, der Geiz, die Fleischeslust das Schiff deiner Seele hin und her schleudern, blicke auf Maria! Bist du über die Schwere deiner Sünden bestürzt, über den elenden Zustand deiner Seele beschämt, bist du von Schrecken erfasst bei dem Gedanken an das Gericht, beginnst du immer tiefer in den Abgrund der Trostlosigkeit und der Verzweiflung zu sinken, denke an Maria! Mitten in Gefahren, Nöten und Unsicherheiten denke an Maria, rufe Maria an. Ihr Name weiche nicht aus deinem Mund, weiche nicht aus deinem Herzen! Damit du aber ihre Hilfe und Fürbitte erlangest, vergiss nicht ihr Vorbild nachzuahmen. Folge ihr, dann wirst du dich nicht verirren. Rufe sie an, dann kannst du nicht verzweifeln, denk an sie, dann irrst du nicht. Hält sie dich fest, kannst du nicht fallen. Schützt sie dich, dann fürchte nichts! Führt sie dich, wirst du nicht müde. Ist sie dir gnädig, dann kommst du sicher ans Ziel!"

 

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