Das neue "GOTTESLOB" oder

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„O Gott, komm mir zu Hilfe;
Herr, eile, mir zu helfen!"

Diese am Anfang des Stundengebetes stehende Bitte wird uns wohl des öfteren über unsere Lippen kommen (müssen), wenn wir - nicht nur Priester und Kirchenmusiker - mit dem neuen Gebet- und Gesangbuch Gotteslob (GL) zu arbeiten beginnen. Es soll an dieser Stelle nicht nur eingegangen werden auf Positives oder Negatives - dies konnten und können Sie in allen Varianten bereits hier und dort lesen, sondern auf die in unserer Gemeinde geplante Praxis, mit dem neuen Buch umzugehen.

Seit Jahrzehnten bereite ich mit viel (Vor-)Freude die Gottesdienste in unserer Pfarrkirche vor: dass man es auch dabei nie allen recht machen wird können, weiß ein jeder von uns aus allen Bereichen seines eigenen Lebens. Wenn nun am vierten Fastensonntag „Laetare", dem 30. März 2014, das neue GL im Erzbistum Berlin und somit auch in unserer Gemeinde eingeführt wird, so soll dies behutsam geschehen, d.h. zunächst Vertrautes beibehalten und durch Neues ergänzt werden, was bisher vielleicht nicht im (alten) GL zu finden war, der Betende und Singende jedoch als Gewinn empfindet und (innerlich) positiv registriert. Aber Vorsicht: es haben sich nicht nur sämtliche Nummern geändert, sondern auch vertraute Melodien und Texte, was man auf den ersten Blick nicht zu erkennen vermag; also: unbedingt auf die Liedanzeigetafeln schauen, die Melodie (bewusst markanteres Orgelvorspiel) und den Text achten! Komplizierter wird der Umgang mit dem neuen Buch beim Stundengebet und den Andachten: kaum ein Kehrvers ist erhalten geblieben, und auch die nach langer Zeit der (Ein-)Übung vertrauten Psalmtöne sind (leider) größtenteils verändert bzw. mit mehreren Varianten versehen worden, so dass ich selbst mich ein jedes Mal von neuem vergewissern muss, da die verschiedenen Versionen miteinander nicht kompatibel sind, vor allem wegen der Kennzeichnung in den Psalmversen (Unterstreichung der Silben, auf denen der zu singende Ton sich verändert).

Die Andachten sind leider das Stiefkind im neuen GL, und über die Begründung, das Gebetsleben und -verhalten der Gläubigen habe sich verändert, mag man geteilter Meinung sein; der sehr viel Raum einnehmende Teil „privater" (auch priesterloser) Gottesdienste mag sicher für die Zukunft immer mehr an Bedeutung gewinnen; ob dieser jedoch wirklich entsprechend genutzt wird, ja überhaupt werden kann, sei ebenfalls dahingestellt.  Die textlich veränderte Gebetseinladung des Priesters „Lasset uns beten!" in „Lasset uns blättern!" diente nach dem II. Vatikanischen Konzil nicht nur der Erheiterung, sondern wurde tatsächlich Realität (besonders auch für den Zelebranten) und erhält mit der Einführung des neuen GL erneut üppige Nahrung.

Das alte GL sollte in jedem Fall für das persönliche Gebet aufbewahrt werden; an „Laetare" aber beginnt dann nicht nur die Sommerzeit 2014, welche uns „manipuliert" eine Stunde weiter zwingt, sondern auch eine Ära des „Sich-Zeit-Lassens" - vielleicht sogar über Jahre, aber bekanntlicherweise hat der liebe Gott sehr viel Zeit (und Geduld), und die Ewigkeit ist „lang" ...   

Thomas Reske

 

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