Die Weltkirche auf Besuch: Father Arthur Charles

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Im Rahmen des Weltmissionssonntags begrüßten wir in der Rosenkranzbasilika am 12.10. einen besonderen Gast aus Pakistan. Der 56-jährige Diözesanpriester Arthur Charles aus Karachi feierte das Hochamt zusammen mit Weihbischof em. Wolfgang Weider, stellte uns die Lage der Christen in Pakistan in seiner Predigt dar und traf anschließend Mitglieder der Gemeinde bei einem Empfang im Pfarrsaal. Der Besuch von Fr. Charles in Deutschland wurde koordiniert vom katholischen Hilfswerk Missio, das ihn beschreibt als einen „Mann mit drei Leidenschaften": Katholische Medien, Katechese und Theologie-Unterricht. Seine Medientätigkeit reicht von einem Verlag über zwei Bistumszeitungen bis zu einem Fernsehsender. Darüber hinaus leitet er ein Katechetisches Zentrum und unterrichtet dogmatische Theologie am Priesterseminar in Karachi.

In seiner Predigt erzählte er, dass in Pakistan viele Christen diskriminiert werden, nur weil sie Christen sind. „Die Blasphemie-Gesetze des Landes gehören zu den strengsten der Welt. Ihre missbräuchliche Anwendung ist eine wichtige Quelle von Diskriminierung und Verfolgung religiöser Minderheiten. Das sind etwa 5% der Bevölkerung: Hindus, Christen, Bahai, Parsi und andere. Katholiken sind 1,2 Millionen, Christen insgesamt 2,8 Millionen von 180 Millionen Einwohnern. Der bloße Vorwurf der Blasphemie ist genug, um einen wütenden Mob von Fundamentalisten zu Gewalt anzuspornen. Die allgemeine Bevölkerung hingegen ist sehr friedlich. Minderheiten in Pakistan sehen wir mit all ihrer kulturellen Vielfalt wie einen Regenbogen auf dem Angesicht der Erde. Der 'Regenbogen' Jahwes in Genesis 9, 12-17 ist Symbol des Bundes Gottes mit den Menschen. Es ist ein Bund der Hoffnung und der Liebe zu den Menschen. In diesem Sinne bitte ich Sie, die religiösen Minderheiten wie einen Regenbogen wahrzunehmen, um die Dunkelheit zu zerstreuen, die von Ungerechtigkeit und Ungleichheit, religiöser Intoleranz und sozio-kultureller Unterdrückung verbreitet wird. Dieser Regenbogen ist ein Zeichen des Friedens und der Hoffnung in Pakistan".

Fr. Charles benutzte das von Missio ausgewählte Thema „Euer Kummer wird sich in Freude verwandeln" (Johannes 16, 20), um unserer Gemeinde darzustellen, wie die Christ/innen in Pakistan trotz Anfeindungen und Verfolgungen fest im Glauben sind. „Das wichtigste Wort, das jemals an eine Person in Trauer gegeben werden kann, das ist das Versprechen, dass sein/ihr Leid nur vorübergehend sein wird. Wir erfahren, dass Leiden von Trauer, Trauer von Freude abgelöst wird. Unsere Leute sind stark in ihrem Glauben. Sie wissen, dass sie nicht davon überrascht werden, wenn sie auf die harte Probe gestellt werden (1. Petrus 4, 12-13). In der Tat zeigen diese Prüfungen, dass wir in der Nachfolge Jesu sind (Philipper 1, 29). Prüfungen und Leiden stärken unseren Glauben, wenn wir durchhalten (Jakobus 1, 2-4) und uns der ewigen Hoffnung erinnern, die wir haben (Römer 5, 3-5). Wenn unsere Christen verfolgt werden und Demütigungen erleiden, sind sie nicht hoffnungslos. Sie sind 'von allen Seiten bedrängt, aber nicht erdrückt; bange, aber wir verzagen nicht; verfolgt, aber nicht verlassen; unterdrückt, aber nicht zerstört' (2. Korinther 4, 7-10), und sie vertrauen darauf, dass er alles zum Guten wenden wird (Römer 8, 28), auch wenn wir es jetzt nicht ergründen können (Jesaja 55, 8-9).

Egal, wie dunkel  es heute auch sein mag, in Christus haben wir die Verheißung: das Licht Jesu Christi wird wieder kommen. Wir glauben fest daran, dass unser Kummer sich in Freude verwandeln wird, wie es für die Jünger war. Wir glauben an unseren auferstandenen Erlöser, Jesus Christus, der gelitten hat und gestorben ist, um unsere Sünden wegzunehmen, und der auferstanden ist, um Sünde, Tod und Teufel zu besiegen. Wir klammern uns fest an seine Verheißung: 'Dein Kummer wird sich in Freude verwandeln!' Es ist meine Bitte und mein Gebet, dass unsere Sorgen und Leiden unseren Glauben an den Herrn Jesus Christus stärken mögen, dass unser Kummer in Freude verwandelt wird".

Bei der anschließenden Begegnung im Pfarrsaal beantwortete er viele Fragen und bot weitere Einzelheiten und Anekdoten zur Lage in Pakistan. In diesem südwest-asiatischen Land gilt der Islam als Staatsreligion, was u.a. bedeutet, dass ein Konvertieren vom Islam zum Christentum streng verboten ist. Viele Muslime, die im Grunde gar nicht fanatisch sind, lassen sich trotzdem zur Christenfeindlichkeit „mitreißen". Dies ist oft leider auch unter Jugendlichen der Fall, wobei die Lage auf dem Land, wo noch stärker traditionelle Verhältnisse herrschen, manchmal schlimmer ist als in der Großstadt, wo sich die Gesellschaft vielfältiger zeigt und etwas moderner ist. Nichtsdestotrotz geht die christliche Minderheit mutig und entschlossen den eigenen Glaubensweg weiter und bietet z.B. mittels Schulen, sozialer Dienste und Krankenhäuser auch der nichtchristlichen Mehrheit wertvolle Dienste und Werke an. Fr. Charles deutete an, dass der in der Bevölkerung weit verbreitete Analphabetismus die Rolle der visuellen Medien (vor allem Fernsehen) sehr stark fördert. Deshalb hat dieser im Bereich der Medien so erfahrene Priester den christlich orientierten Sender „Good News TV" gegründet, wobei er allerdings, aufgrund der Gesetze und kulturellen Einschränkungen, sehr vorsichtig vorgehen muss: offene missionierende Programme sind nicht erlaubt. So werden z.B. sogar bei einer „unschuldig" wirkenden Kochsendung biblische Themen den Zuschauern quasi „durch die Hintertür" präsentiert.

Der Besuch von Fr. Charles, zusammen mit der anschließenden Begegnung, war eine geistige Bereicherung für unsere Gemeinde und zeigte uns auch mal wieder, wie privilegiert unser westliches Glaubensleben (noch) ist und was wir auf unserem Glaubensweg von den vielen Menschen lernen können, die mit Mut und Überzeugung ihren Pilgerweg als Christen unter schweren und oft bedrohlichen Bedingungen gehen müssen. So leben die Christ/innen in Pakistan mit einer festen spirituellen Überzeugung, so wie diese z.B. der Apostel Paulus einst formulierte: „Mehr noch, wir rühmen uns sogar unserer Bedrängnis; denn wir wissen: Bedrängnis bewirkt Beharrlichkeit, Beharrlichkeit bewirkt Bewährung, Bewährung bewirkt Hoffnung. Die Hoffnung aber lässt nicht zugrunde gehen; denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist (Römer 5, 3-5).

Dr. Dirk Verheyen

 

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