Ein Eremit im Erzbistum Berlin

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Bei der jährlich im Kathedralforum an St. Hedwig stattfindenden Mitgliederversammlung des Diözesan-Bonifatiuswerks Berlin werden unter anderem Bauvorhaben präsentiert, die durch das Bonifatiuswerk gefördert wurden oder in absehbarer Zeit zur Sanierung anstehen. Als Gast anwesend war in diesem Frühjahr Wolfgang Brummet, Pfarrer der Gemeinden Herz Jesu in Neuruppin, Mariä Himmelfahrt in Fehrbellin und bis vor kurzem auch pastoral zuständig für die Kirche St. Joseph in Lindow. Wegen der geringer werdenden Zahl katholischer Christen wurde diese in den letzten Jahren nicht mehr genutzt. Ein weiterer Gast auf der Mitgliederversammlung war Walter Pauly, der den „Förderverein St. Joseph Lindow e.V." vertrat. Von diesem und von Pfarrer Brummet hörten wir die Besonderheit, dass sich der Priester Jürgen Knobel als Eremit dort niederlassen wird.

Welche Besonderheiten hat der Ort Lindow schon erlebt! Im 13. Jh. wurde ein Zisterzienserinnenkloster gegründet, das im Zuge der Reformation 1541 in ein adliges Damenstift umgewandelt wurde. Theodor Fontane schrieb in seinen „Wanderungen durch die Mark Brandenburg": „Lindow ist so reizend wie sein Name". Das fanden auch andere, darunter katholische Christen, deren Zahl anstieg, so dass 1931 eine von dem Architekten Wilhelm Fahlbusch entworfene Backsteinkirche, die St. Joseph-Kirche, konsekriert werden konnte. Nach dem Zweiten Weltkrieg kamen viele Flüchtlinge nach Lindow und in die näheren Dörfer, so dass die Gemeinde 750 Mitglieder zählte. Für manche wird noch in Erinnerung sein, dass die Dekanatstage des Dekanats Oranienburg mehrfach in der St. Joseph-Kirche und auf dem von Bäumen umstandenen Grundstück stattfanden. Und nun hat sich der Priester Jürgen Knobel dort niedergelassen. Mit Hilfe des Erzbistums Berlin, des „Fördervereins St. Joseph Lindow", der Kirchengemeinde Neuruppin und des Bonifatiuswerks ist die „Klause St. Bernhard" durch Umbau der Sakristei entstanden. Am 3. Juli 2014 kam der Erzbischof von Berlin, Rainer Maria Kardinal Woelki, nach Lindow, um die Klause zu segnen. Ungefähr 70 Personen hatten sich eingefunden, die zunächst mit dem Kardinal die Non beteten. In seiner Predigt verwies der Kardinal auf die Entwicklung des Eremitentums, auf Antonius, den Vater der Mönche, der im 4. Jahrhundert in der ägyptischen Wüste lebte. Auch Jesus fastete 40 Tage in der Wüste, bevor er die Jünger um sich sammelte. Pater Jürgen, der einzige Eremit im Erzbistum Berlin, sei eine Bereicherung. Er sucht die Nähe zu Gott und will anderen dabei helfen. Anschließend luden gastlich gedeckte Tische rund um die Kirche und die Klause zum gemeinsamen Kaffeetrinken und zu Gesprächen ein. Kardinal Woelki kam an jeden Tisch, nahm sich Zeit für unsere Fragen, obwohl er zu einem weiteren Termin in Schwerin erwartet wurde. Für die Lindower Katholiken und die aus der näheren Umgebung war es eine große Freude zu hören, dass Pater Jürgen jeden Sonntag um 11 Uhr eine heilige Messe feiern wird.  Was für ein eindrucksvoller, besonderer Tag war das für alle! Natürlich ergeben sich Fragen nach dem Werdegang des Eremiten. Jürgen Knobel wurde 1962 in Meersburg am Bodensee geboren, studierte zunächst Malerei und war künstlerisch tätig. Auf der Suche nach Erfüllung begann er 1994 ein Theologiestudium im Zisterzienserstift Heiligenkreuz bei Wien. 2002 wurde er in Berlin zum Priester geweiht, war in mehreren Gemeinden als Kaplan tätig und absolvierte zusätzlich Ausbildungen zum Geistlichen Begleiter, zum Exerzitien- und Meditationsleiter. Die Lebensform des Eremiten ist in das Kirchenrecht aufgenommen worden. Der Eremit ist dem Ortsbischof unterstellt. Und Pater Jürgen hat sich öffentlich vor dem Erzbischof durch ein Gelübde auf die drei evangelischen Räte verpflichtet. In Deutschland gibt es ungefähr 80 Eremiten; Pater Jürgen ist der einzige Priester-Eremit. Er hat auf seinem Weg der Gottsuche vier Bücher geschrieben, in denen er die Frage nach dem Wunder unseres Daseins stellt. Dieser Artikel soll mit einem Wort aus dem Buch „Vom Hören seiner Worte" seinen Abschluss finden: „Welcher Mensch erkennt Gottes Plan? Und doch bist du zum Erben des Bleibenden vorherbestimmt, bist ein Kind des Wirklichen nach dem Plan dessen, der alles erfüllt, wie er es in seinem Willen beschließt. Durch Christus hat er deutlich gemacht: Sein Plan ist dein Leben".

 Angelika Westphal


 

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