Firmung am Dreifaltigkeitsfest

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83 Jugendliche aus unserer Gemeinde und aus unseren Nachbargemeinden sind am 14. Juni von Weihbischof Dr. Matthias Heinrich in der Rosenkranz-Basilika gefirmt worden. Mit Ausnahme der Erwachsenentaufe  und der Priesterweihe ist kein Sakrament mit einer so intensiven Vorbereitung verbunden. Die Firmung soll den Glauben bekräftigen, beflügeln, besiegeln. Wie soll man darauf vorbereiten, wenn oft so gut wie nichts vorhanden ist, was man mit einigem Wohlwollen als formulierbaren Glauben bezeichnen könnte? Die Jugendlichen, überwiegend im Alter zwischen 13 und 15 Jahren, sind zu alt für den „Kinderglauben" und zu jung, um ernsthaft theologische Fragen zu erörtern.

Die zehn Firmbegleiter haben sich mit diesem Problem beschäftigt und einen Themenkatalog für rund dreißig Treffen festgelegt. Von August 2013  bis Juni 2014 dauerte der Kurs - Freitag für Freitag, außer in den Schulferien, anderthalb Abendstunden ohne Pause. Ein hartes Programm sowohl für die Jugendlichen als auch für die zehn Firmbegleiter, die jeweils zu zweit die fünf viel zu großen Gruppen mit bis zu 17 Jugendlichen zu betreuen hatten. Zum Glück gab es unter den Firmbegleitern auch „Profis", die eine Vorstellung davon hatten, mit welchen Fragen der Jugendlichen sie zu rechnen hatten. Fragen? Tatsächlich herrschte oft Schweigen. Für einen Jugendlichen gehört eben Mut dazu, in einer Gruppe, deren Themenschwerpunkte ganz woanders liegen, überhaupt eine Frage zu stellen, die sich auf den Bereich der Religion, des Glaubens, des Göttlichen bezieht. Erst allmählich fiel es leichter.

Zunächst ging es im Herbst gemeinsam für mehrere Tage nach Görlitz. Hier konnten sich alle ein wenig kennenlernen, und hier sollte abseits des Berliner Trubels darüber gesprochen und nachgedacht werden, was eigentlich die heilige Messe ist, in der der gläubige Katholik den Höhepunkt seiner Begegnung mit Christus erlebt. Wie ist sie aufgebaut, welchen Sinn hat die oft völlig unbekannte Liturgie? Nur wenigen mochte sich schon zu Beginn des Kurses erschließen, dass das Zentrum der Messe die unblutige Vergegenwärtigung des Kreuzesopfers Christi ist und nicht nur eine mehr oder weniger stimmungsvolle Mahlfeier. Aus der jüdischen Tradition, die den Tagesanfang in den Abend legt, wurde manchen klar, dass das letzte Abendmahl und der Tod am Kreuz an ein und demselben Tag stattfanden - am Karfreitag nämlich, und dass die Worte Christi über seinen Leib und sein Blut keine trockene Darlegung eines fast unverständlichen Vorgangs sind, den die Theologen Transsubstantiation nennen, sondern die Vorwegnahme dessen, was kurz darauf grausame Weise Wirklichkeit wurde - mein Leib, der (in wenigen Stunden!) als Opfer dahingegeben werden wird, mein Blut, das dabei vergossen werden wird. In der vom Priester hoch erhobenen geweihten Hostie können wir den am Kreuz hängenden Jesus sehen; wir sind unmittelbare Augenzeugen des Geschehens auf Golgatha.

Wie gesagt, bis zu dieser Erkenntnis war es noch ein weiter Weg. Ein Besuch im südlich von Görlitz liegenden Zisterzienserinnen-Kloster Marienthal konnte jedoch auch bei Skeptikern Nachdenklichkeit auslösen: die Novizen-Meisterin, eine intelligente junge Frau aus Berlin, die erst vor zehn Jahren getauft wurde, hatte hier den direkten Weg zu Christus und in einem streng von der Außenwelt abgeschiedenen Leben des Gebets und der Andacht einen Lebenssinn gefunden, der weit über den eines normalen bürgerlichen Berufs hinausgeht. Der Blick auf praktiziertes Christentum in einer extremen Form - kann da nicht auch für den normalen Betrachter etwas an Erkenntnis abfallen? Was Gott mit Menschen macht, was Menschen mit Gott machen?

Im wöchentlichen Rhythmus der Firmstunden wurden alle wichtigen Themen behandelt: Der Sinn des Lebens, die Suche nach dem dreifaltigen Gott, das Leid und der Tod, Sünde und Schuld, Buße und Erlösung, Kirche, Gebet und christliches Leben aus dem Glauben. Doch bei allem Detailwissen, das dabei vermittelt und vielleicht partiell auch hängengeblieben ist, sollte eines nicht verloren gehen: Der katholische Glaube ist nicht eine Sammlung von Dogmen, Lehren, Geboten und Verboten, sondern eine lebendige Beziehung zu einer lebendigen Person - zu Jesus Christus, dem Sohn des ewigen Gottes, der, selber Gott, mit seinem Vater in einem ewigen Dialog der Liebe steht. Als Mensch hat er uns geschildert, wie der Vater ist: ein von brennender Liebe und persönlicher Sorge um einen jeden von uns erfüllter Vater, der alles tut, um uns glücklich zu machen, und uns deshalb seinen Sohn geschenkt hat. Und die Liebe, die dieser Vater vom Sohn empfängt und dem Sohn zurückgibt: den Heiligen Geist - ihn schenkt uns der Sohn in der Firmung. Er wird uns alles lehren und uns an alles erinnern, was Christus uns gesagt hat.

Ist es den Firmbegleitern gelungen, diesen Christus zu einer vorstellbaren, ansprechbaren und im Gebet erreichbaren Person zu machen? Konnten wir sein Gebot vermitteln, Gott und den Nächsten so zu lieben, wie er uns geliebt hat? Konnten wir erklären, dass die Erfüllung dieses Gebotes die Erfüllung aller anderen Gebote in sich schließt? Und dass der Glaube ein Geschenk ist, das wir annehmen müssen, um es zu besitzen? Das wir aber auch ablehnen können, weil wir frei sind und Gott keinen erzwungenen Glauben und keine erzwungene Liebe will? Konnten wir das in die Herzen der Jugendlichen einsenken, die in der Schule und im täglichen Leben in erster Linie nicht den Sieg der Liebe, sondern die Härte des Wettbewerbs, den Sieg des Stärkeren und oft genug den Triumph des Bösen erleben? Wir wissen es nicht, wir hoffen es! Für den Heiligen Geist gibt es viel zu tun ...

Michael Groepper

 

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