Fund im Keller des Pfarrhauses von St.Bernhard

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Fund im Keller des Pfarrhauses von St. Bernhard

Im Foyer des Pfarrzentrums von St. Bernhard hängen seit Anfang März drei run­de Glasfenster, auf denen je ein Antlitz abgebildet ist. Sicherlich hat sich schon mancher Besucher gefragt, woher diese Glasfenster stammen.

Im Jahr 2009 wurde anlässlich des 75-jährigen Jubiläums von St. Bernhard ein Kirchenführer verfasst. Beim Sichten von Fotos und Sammeln der Ereignisse der vergangenen 75 Jahre kamen auch die Folgen der Bombardierung unserer Pfarr­kirche zur Sprache: eine Notkirche wurde seinerzeit eingerichtet. Sie befand sich im heutigen Pfarrsaal, in dessen Stirnwand hinter dem Altar drei runde Glasfens­ter eingelassen waren.

Als „Gedächtnis der Gemeinde" kam uns unsere ehemalige Pfarrsekretärin und Seelsorghelferin, Frau Scherer, zu Hilfe. Sie berichtete, dass sie diese Fenster im Keller des Pfarrhauses gesehen habe. Tatsächlich fand der Küster sie dort. Es handelt sich um drei runde Glasfenster, die jeweils von einer mauerdicken Holz­rahmung gehalten wurden. Die farbigen Glasstücke in verhaltener Chromatik und kantiger Form waren wie Splitter mosaikartig zusammengesetzt und bildeten drei Gesichter ab.

Die Blickrichtungen der drei Gesichter, frontal, nach rechts und nach links ge­wandt, verweisen auf das zugrunde liegende Bildschema, die Kreuzigungsdar­stellung mit drei Figuren. Das frontal blickende Antlitz bildet das Zentrum, dem sich die beiden anderen zuwenden. Das mit einem Tuch bedeckte Haupt des lin­ken Fensters stellt Maria dar, die zu Christus aufblickt. Das Mittlere mit frontaler Blickrichtung wendet sich mit der darunter abgebildeten „sprechenden" Hand nach rechts.

Der Gestus des ausgestreckten Zeigefinger weist auf die Person des dritten Fensters und erinnert an die Worte, die Christus am Kreuz zu Maria sprach: „Frau, siehe, dein Sohn!" (Joh 19,26) Christus zeigt auf den aufblicken­den Jünger Johannes, der danach die Mutter Jesu zu sich nahm. Auf dieses Mo­ment des Kreuzigungsereignisses beziehen sich die drei Fenster. Hier ist die drei­figurige Kreuzigungsdarstellung verkürzt thematisiert, indem sie sich auf drei menschliche Physiognomien konzentriert.

Der Hauptaltar von St. Bernhard trägt einen monumentalen Kruzifixus, der zugleich den erhöhten Christus, den Weltenherrscher, darstellt. Darauf nimmt der Künstler der Glasfenster keinen Bezug, sondern er steht in der Tradition der ganzfigurigen Kreuzigungsdarstellungen, bei denen Maria zur Rechten des Ge­kreuzigten und Johannes zur Linken ihre Trauer bekunden und Zeugnis ablegen. Zugleich sind sie die Adressaten der Worte Jesu (Joh 19,26-27). Dieser Bildtypus als Hauptthema der christlichen Kunst steht traditionell in unmittelbarer Nähe zum Altar.

Es finden sich frühe Beispiele dieses Bildschemas auf liturgischem Gerät. Auf Kreuzreliquiaren (Staurotheken) wurde auch inschriftlich hinzugefügt, was Christus zu Maria und Johannes sprach. Erinnert sei auch an Kreuzigungsgrup­pen des Lettners. In dieser Tradition stehen die drei Glasfenster. Nach der Zerstörung der St.-Bernhard-Kirche 1943 waren die Gemeindemitglie­der fünf Jahre lang Gäste der evangelischen Annenkirche in Dahlem, bis eine Not-Kapelle errichtet und am 12. Dezember 1948 geweiht wurde. Die drei runden Glasfenster der Altarwand sind daher vermutlich auf 1948 zu datieren. Beim Wie­deraufbau der Kirche St. Bernhard Anfang der fünfziger Jahre erfolgte eine bauli­che Änderung. Die bisherige Taufkapelle am Ende des westlichen Seitenschiffes wurde in eine Totengedenkkapelle gewandelt. Sie erhielt ein Glasfenster mit ei­nem Passionszyklus in drei Registern. Das zentrale Motiv bildet die Kreuzigung. Dieses Fenster wurde der Kirche von dem Künstler Felix Senger gestiftet. Das Werk kann mit den drei Rundfenstern aus der Notkapelle verglichen werden, denn es entspricht ihnen stilistisch. Auch die zeitliche Nähe und das Expressive der Gesichter des Passionszyklus lassen annehmen, dass diese Fenster aus der­selben Werkstatt stammen. Wir können daher die drei Rundfenster auch Felix Senger zuschreiben. Bei der Betrachtung der wiedergefundenen Glasfenster waren wir uns einig, dass sie einen angemessenen und besonderen Platz erhalten sollten. Wesentlich für die Wirkung von Glasfenstern ist das durchscheinende Licht, wobei der Licht­strahl durch das farbige Glas gebrochen wird. Hinzu tritt die symbolische Konno­tation des durch die Kirchenfenster eindringenden Lichtes: die Fenster halten das Böse fern und zugleich erleuchtet uns das Licht, wie die Lesungen der Heiligen Schrift. Wo sollten die Fenster gehängt werden? Die Fensterfront des Foyers ga­rantierte einen ausreichenden Lichteinfall und keine Konkurrenz anderer Bildwer­ke. Auch die Nähe zum ursprünglichen Anbringungsort wurde so gewahrt. Seit Ausstellungsbeginn werden wir mit der Präsenz der Hauptdarsteller des heiligen Dramas konfrontiert. Vor Ausstellungsbeginn mussten die Fenster jedoch umgearbeitet werden, da die schwere Holzrahmung den Eindruck der diaphanen Fenster störte und sich auch technische Probleme der Hängung ergaben. Herr Fahlbusch nahm daher Kontakt mit dem Künstler P. Corazolla auf, von dem die Fenster im Kirchenraum stam­men. Dieser vermittelte ihm eine geeignete Werkstatt. Dank des Vereins der Freunde und Förderer der Kirche St. Bernhard, der die Kosten übernahm, erhiel­ten die Rundfenster eine Bleirahmung und konnten vor die Fensterfront gehängt werden. Bei dieser Gelegenheit möchten wir Sie herzlich bitten, unseren Verein zu unterstützen - als Mitglied oder durch Spenden (Commerzbank AG, Komto 047 987 3900, BLZ 100 800 00). Vergelt's Gott! Nähere Informationen zum Verein: Margret.wolff@gmx.net.

 

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