Georg Bangen: 35 Jahre Dienst als Lektor

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In der Morgenmesse am Montag, dem 24. November 2014, wirkte Herr Bangen zum letzten Mal als Lektor mit. An diesem Tag gab er nach 35 Jahren seinen Lektorendienst auf. Pfarrer Dr. Desczyk richtete am Schluss der Messe sehr herzliche Worte des Dankes an ihn. Herr Georg Bangen kam Ende der 50er Jahre aus dem Rheinland (Mönchen-Gladbach) als Germanist an die FU Berlin. Auch der Mauerbau 1961 schreckte ihn nicht: Er blieb hier. Zunächst hatte Herr Bangen seinen Wohnsitz nicht im Gemeindegebiet von St. Bernhard. Er hörte aber einmal eine Predigt von Msgr. Kurzinski , die ihn sehr beeindruckte. So wurde und blieb er treuer Besucher der Gottesdienste in St. Bernhard, bevor er Anfang der 70er Jahre umzog und nun auch seinem Wohnsitz nach zur Pfarrgemeinde gehörte.

„Fides ex auditu" - „Der Glaube kommt vom Hören" (Röm 10,17). Wie wenige andere hat Herr Bangen die Richtigkeit dieses Wortes bewiesen. Seit 1979 war er als Lektor tätig. Er hatte sich bereitwillig der im Erzbistum Berlin für diesen Dienst vorgeschriebenen Schulung unterzogen. In vielen Sonntagsmessen und nach seiner Pensionierung auch in der Morgenmesse am Montag oder bei Kreuzwegandachten versah er diesen Lektorendienst. Wie kaum ein anderer Lektor beherrschte er eine saubere Vorlesetechnik, betonte die richtigen Worte und hob die Stimme bei den Kommata, statt sie zu senken. Sein langsames Lesetempo ließ dem Zuhörer nicht nur Zeit, das Gehörte akustisch zu verstehen, sondern auch, es geistig aufzunehmen. Immer war zu spüren, dass er sich zuvor mit den Texten eingehend beschäftigt hatte.

Seiner ausdrucksstarken, langsamen und deutlichen Sprechweise, die gleichsam jeden Buchstaben des Wortes bis zum letzten Schluss-T hörbar machte, ist es zu verdanken, dass sich viele biblische Texte den Zuhörern fest ins Gedächtnis eingeschrieben haben. Wer jemals in der Fastenzeit die Verse liest: „Das geknickte Rohr zerbricht er nicht, und den glimmenden Docht löscht er nicht aus" (Jes 42, 3) oder „Ein zerbrochenes und zerschlagenes Herz wirst du, Gott, nicht verschmähen" (Ps 51, 19), wird mit seinem inneren Ohr zugleich die Stimme von Herrn Bangen hören. Unvergessen bleibt auch, wenn er sich als Evangelist oder als Turba-Sprecher an den großen Lesungen der Passionsgeschichte in der Karwoche beteiligte. Ebenso werden die Worte zur Jahresschlussandacht im Gedächtnis bleiben: „Des Menschen Tage sind wie Gras, er blüht wie die Blume des Feldes. Fährt der Wind darüber, ist sie dahin; der Ort, wo sie stand, weiß von ihr nichts mehr. Doch die Huld des Herrn währt immer und ewig". Und weiter heißt es in der Andacht nach Worten von P. Eschweiler: „Wie tröstlich ist es doch, bester Vater, dass du meinen Kalender für das kommende Jahr schon längst und auf das genaueste gemacht hast. So überlasse ich mich ganz deiner gütigen Vorsehung und kenne nur eine Sorge, deinen väterlichen Willen zu erkennen und zu erfüllen."

Die Gemeinde dankt Herrn Bangen für seinen Lektorendienst während der vergangenen 35 Jahre. Auch wenn seine klare Stimme mit der rheinländischen Färbung nicht mehr am Ambo zu hören ist, hofft die Gemeinde, Herrn Bangen noch viele Jahre auf der Epistelseite in der 3. Reihe von St. Bernhard oder in der Rosenkranz-Basilika während der heiligen Messe zu sehen.

Angelika Westphal und Michael Groepper

 

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