Güle Güle - und wir werden wiederkommen!

0

Güle Güle - und wir werden wiederkommen!

Acht Tage dauerte unsere Pilgerreise in der Türkei. Wir fuhren im März - bei angenehmen 15°C bis 20°C. Unser Ankunftsziel in der Türkei war natürlich Antalya - eine pulsierende Mittelmeerküsten-Metropole an der türkischen Riviera. An einer Bucht gelegen, ist sie von einer faszinierenden Gebirgslandschaft umgeben und wird dank ihrer osmanischen Altstadt, die sich größtenteils oberhalb der Steilküste befindet, als die schönste Stadt der Türkei bezeichnet. Wir empfehlen jedem, einen Spaziergang durch die eng verwinkelten Gassen der Altstadt zu machen, um sich dann im wunderschönen Stadtpark ein wenig auszuruhen und den herrlichen Blick zum Golf von Antalya und auf die Gebirgsmassive zu genießen. Besonders interessant fanden wir die bei Erdarbeiten für das Fundament eines großen modernen Geschäftscenters entdeckten (und freigelegten) antiken Gräber aus der römischen und byzantinischen Zeit. Weil die Fundstellen mitten im Zentrum liegen, kann man den Archäologen bei ihren Arbeiten zusehen und verstehen, warum diese Ausgrabungsstätte zu den bedeutendsten archäologischen Fundstellen der Türkei gehört.

Noch unter diesen geschichtlichen Eindrücken stehend, machten wir uns von Antalya aus entlang der schönen lykischen Küste auf nach Myra - in der Antike eine Großstadt. Von dem Glanz dieser Zeit zeugen heute noch die lykischen Grabstätten aus dem 4. Jh. v. Chr., die - häuserähnlich und mit zahlreichen lykischen Inschriften und reichem Reliefschmuck versehen -  aus dem Gestein geschlagen wurden. Viele Generationen haben hier ihre Grabstätten neben- und übereinander gehauen - ein Monument für die Nachkommen. Zu besichtigen ist hier auch die Bischofskirche St. Nikolaus bzw. Grabeskirche des Hl. Nikolaus von Myra (ja, der Nikolaus!!!) . Er wurde um 254 n. Chr. in Patara geboren und wirkte in Myra im 4. Jh. als Bischof. Neben wundervollen verblassten Fresken kann man vor allem noch Reste des Mosaikfußbodens aus dem 9./10. Jh. bewundern.

Im Rahmen einer Bootsfahrt durch die legendäre Lagune von Dalyan konnten wir am nächsten Tag auch Kaunos besichtigen. Mit dem Boot durch das meterhohe Schilf fahrend, gelangt man über ein Labyrinth natürlicher Kanäle zum großen Köycegiz-See, der sich zum Meer hin öffnet - wie ein Schiffsdelta. Hier ist alles noch Natur „pur" (keine Hotelklötzer, alles Naturschutzgebiet). Neben 150 Vogelarten sucht sich im Sommer auch die Meeresschildkröte Caretta dieses schöne Plätzchen zum Nisten aus. Hat man das Schilf erfolgreich passiert, eröffnet sich einem Kaunos - eine antike Stadt, die einst zu Karien gehörte. Das berühmteste Wahrzeichen von Kaunos sind zweifellos die lykischen Felsengräber. Diese stammen aus der Zeit zwischen dem 4. und 6. Jh. vor Chr. Erstmals wurde Kaunos im 5. Jh. v. Chr. schriftlich erwähnt (von Herodot), man vermutet aber, dass es bereits im 10. Jh. v. Chr. erste Besiedlungen in dieser Region gab. Der Legende nach gründete Kaunos, Sohn des Miletos und der Kyane (griech. Mythologie) die Stadt. Später war sie unter der Kontrolle von Rhodos und bekannt als Peraea. Kaunos war einst ein bedeutender Hafen, ursprünglich direkt am Mittelmeer gelegen. Von hier aus ging es nach Ephesus - persönlicher Höhepunkt unserer Pilgerreise.

Ephesus gehörte zu den weltweit berühmtesten Metropolen der Antike. Über dem Grab des Evangelisten Johannes ließ Kaiser Justinian die große Johannesbasilika errichten. In der Bibel wird von Ephesus berichtet, dass die Stadt Missionsortschaft der Apostel Paulus und Johannes war. Wir besichtigten die Konzilskirche (auch Marienkirche genannt). Hier fand 431 n. Chr. das 3. Ökumenische Konzil (Konzil von Ephesus) statt. Zutiefst beeindruckt und nachhaltig bewegt hat uns jedoch der Besuch im Hause der Mutter Gottes. Sie soll hier nach der Himmelfahrt ihres Sohnes mit den Jüngern und den Frauen gelebt haben. Dass dieses Haus überhaupt entdeckt wurde, verdankt man den Visionen der Sel. Anna Katharina Emmerich. Der Berg, auf dem das Haus bei Ausgrabungen gefunden wurde, nennt sich Bülbüg-Dag - Nachtigallenberg.

Am nächsten Tag machten wir uns auf nach Pamukkale (zu Deutsch: „weiße Burg" oder auch „Baumwollburg") - UNESCO-Weltkulturerbe. Hier verbinden sich Natur und Kultur auf einzigartige Weise. Für das Kulturelle sorgt die antike Stadt Hierapolis, die sich oberhalb der unglaublichen und einmaligen Kalksteinterrassen Pamukkales hinzieht. Hierapolis wurde im 2. Jh. v. Chr. unter Pergamons Herrschaft gegründet. Mehrfach von Erdbeben zerstört und von den Römern wieder aufgebaut, wird die Stadt heute archäologisch von den Italienern betreut. Die Ruinen der antiken Therme sind in jedem Fall einen Besuch wert - genauso wie die Gräbenfelder, das Byzantinische Tor, der Marktplatz und vor allem aber die Grabstätte des Apostels Philippus. Der landschaftliche Höhepunkt sind natürlich die - in die Landschaft weithin strahlenden - Kalksteinterrassen. Die Heilkraft des Thermalwassers, das über die schneeweißen Kalksteinterrassen fließt, schätzten schon die Griechen und die Römer. Die Terrassen entstehen durch Kalziumkarbonat-Ablagerungen der Thermalquelle. Diese Ablagerungen bilden Kaskaden von Kalkbassins, die sich schneeweiß über mehrere hundert Meter den Berg herunterziehen. Ein wahres und unglaubliches Naturwunder!

Unsere Abschiedstour führte uns dann am vorletzten Tag nach Perge - eine der bedeutendsten Städte Pamphyliens während des 2. und 3. Jh. n. Chr. und dank der Tatsache, dass sie eine der ältesten Gemeinden Kleinasiens war, nicht ohne geringe Bedeutung. Zudem war sie auch einst Bischofsstadt. Hier wurden im Übrigen Paulus und Barnabas während ihrer ersten Missionsreise sehr gastfreundlich aufgenommen und auch in den folgenden Jahrhunderten herrschte in der Region eine große Marienverehrung. Höhepunkt in Perge sind vor allem das ehemalige Theater, das einst 14.000 Menschen Platz bot, das Stadion (12.000 Plätze) sowie das Nymphäum - eine 21 Meter lange Brunnenanlage mit beeindruckender Heizungs-, Wasser- und Abwasseranlage - und die Agora, ein 75 x 75 Meter großer Platz, der einst politischer und wirtschaftlicher Mittelpunkt der Stadt war.

Durch die Kolonnaden-Straße und das großartige Hellenistische Tor, durch das einst Paulus die Stadt betrat, gehend, verabschiedeten wir uns schweren Herzen von diesem schönen Land, den sehr liebenswürdigen Menschen, deren Gastfreundschaft und Nächstenliebe wir vermissen werden. Ein Wiedersehen steht außer Frage: Güle Güle - und wir werden wiederkommen!

Andrea und Alfons Maas

Zurück

INFORMATIONEN


NEWS


GOTTESDIENST