Kirchweih

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Es gibt etwas zu feiern...

Von Fr. Dr. Elisabeth M. Kloosterhuis

Vor 110 Jahren begingen die Rosenkranzler erstmals Kirchweih. Am 11. November 1900 erfolgte die Konsekration der neuen Steglitzer Pfarrkirche „Maria, Königin des Rosenkranzes" durch den Fürstbischof von Breslau, Georg Kardinal Kopp (reg. 1887-1914), im Beisein hoher und höchster preußischer Politiker wie des Kultusministers Heinrich Konrad Studt (1838-1921), des brandenburgischen Oberpräsidenten und späteren Reichskanzlers Theobald von Bethmann Hollweg (1856-1921), des Regierungspräsidenten Friedrich von Moltke (1852-1927) und des Landrates Ernst von Stubenrauch (1853-1909). Pfarrer Dr. Josef Deitmer (1865-1929) erhielt aus diesem Anlass für seine Verdienste aus der Hand des Kultusministers den „Allerhöchst bewilligten" Roten Adlerorden.

Vor 60 Jahren schließlich, am 20. Oktober 1950, erfolgte die Erhebung der Steglitzer Pfarrkirche zur Basilika minor durch Papst Pius XII. (reg. 1939-1958) als zeitweiligem westlichem Bischofssitz der geteilten Stadt. Der Brauch, den Weihetag (lat. dedicatio ecclesiae/anniversarium) des Kirchengebäudes, alljährlich zu begehen, ist uralt. Bereits das Alte und Neue Testament bezeugen das Jahresgedächtnis der Weihe des Tempels zu Jerusalem (1 Makk 4,36-61; 2 Makk 10,1-8; 1 Kön 8,1-66; Ez 43, 1-45,25; Esra 6,1-22; Joh 10,22). Die angeordnete Jahresfeier der Wiedereinweihung des Jerusalemer Tempels im Jahre 165 v. Chr. (jüd. Chanukkafest) wird noch heute begangen. Auch die Römer feierten die Einweihung ihrer Tempel feierlich als natalis templi (Geburtstag des Tempels).

Mit Beginn der christlichen Epoche unter Kaiser Konstantin (reg. 306-337) wurde das Weihegedächtnis der in Palästina erbauten Kirchen (in Bethlehem und Jerusalem) jährlich erneuert.

Für Rom und den Westen ist das Kirchweihfest seit dem 5. Jahrhundert nachweisbar.

Jede erbaute Kirche hatte ihr eigenes Kirchweihdatum und daher auch ihre dadurch festgelegte traditionelle Kirchweihfeier, die als Hochfest begangen wird.

Im Verlauf des ersten Jahrtausends entwickelte sich ein durch den Bischof zu vollziehender feierlicher Konsekrationsritus auf den Titel ihres Patrons, anfangs durch Beisetzung und Einholung von Reliquien in oder unter dem Altar, durch Salbung des Altares, seit dem 8. Jahrhundert allgemein durch die Weihe des ganzen Gebäudes. Das in Mainz um 950 entstandene römisch-deutsche Pontifikale wurde von der Liturgiereform des II. Vatikanums wegen seiner zahlreichen Doppelungen reformiert. 1977 erschien als Teil des erneuerten Pontificale Romanum der „Ordo dedicationis ecclesiae et altaris".

Die Kirchweihfeste der von Kaiser Konstantin 324 erbauten Lateran-Basilika (9. November), die als Papstkathedrale auch als „mater et caput omnium ecclesiarum urbis et orbis" (Mutter und Haupt aller Kirchen der Stadt Rom und des Erdkreises) bezeichnet wird, der Basiliken der Apostelfürsten Petrus und Paulus vor den Mauern (18. November) sowie der Basilika S. Maria Maggiore (5. August), verbreiteten sich im Mittelalter durch die Augustinereremiten im gesamten Abendland und fanden auch Eingang in das neue Messbuch von 1970. Eher in den Ortsgemeinden verwurzelt sind jedoch die Weihetage der Kathedralkirche (Berlin: 6. November), besonders aber die der eigenen Pfarrkirchen.

Das Kirchweihfest erlangte im Verlauf des Mittelalters eine immer größere Bedeutung im kirchlichen wie weltlichen Bereich. Zum Kirchweihfest wurde den Gläubigen nach vorgeschriebenen Riten und Gebeten die Gewinnung von Ablässen ermöglicht, die meist für Verstorbene „aufgeopfert" wurden.

Die oft mehrtägige „Kirchweihdult" (lat. indultum = Ablassgewährung) wurde gerade in katholischen Gebieten mit einem Jahrmarkt verbunden, auf dem fliegende Händler ihre Waren feilboten und Vieh verkauft wurde. Noch heute sprechen wir von der „Buchmesse", die sprachlich damit in Zusammenhang steht.

Vom Jahrmarkt, der mit dem Kirchweihfest verbunden war, erhielt der Festtag je nach Landschaft unterschiedliche Bezeichnungen, die jedoch von einer gemeinsamen Sprachwurzel abstammen - der Kirmes.

Kirchweih ist also ein besonderes Fest, das Gebet und Lebensfreude nicht auseinanderreißt. Eine wirklich fröhliche Kirchweih hält Leib und Seele zusammen und wird auch in der heutigen multikulturellen Gesellschaft ihren respektierten Platz haben.


 

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