Kolumbarium in St.Bernhard? Nein!

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Im September-Heft hatte der Pfarrer in seinem Grußwort sieben Wege aufgezeigt, wie die Zukunft von St. Bernhard aussehen könnte. Dies ließ vermuten, dass die Gremien und interessierte Gemeindemitglieder sich mit den einzelnen Vorschlägen befassen sollten. Umso größer die Verwunderung, dass Pfarrer Desczyk sich im Oktober-Heft nur noch mit der „Überlegung zum 80. Kirchweihjubiläum" befasst, „in der Dahlemer St. Bernhard-Kirche ein Kolumbarium zu errichten" und hierfür nachdrücklich wirbt. Zugleich erklärt er, dass er sich schon „in den letzten Monaten sehr eingehend mit der Planung von Kolumbarien und den Erfahrungen mit ihnen beschäftigt" hat. Dies alles, ohne die Gremien und die Gemeinde zu beteiligen („Kirchenvorstand und PGR haben erstmals Ende September dazu beraten")! Warum hierbei ein solches Tempo an den Tag gelegt wird, erschließt sich nicht. Diese Vorgehensweise lässt vielmehr befürchten, dass hier an der Gemeinde vorbei Fakten geschaffen werden sollen. Es schmerzt, dass ausgerechnet zum 80. Kirchweihjubiläum als vorrangige Perspektive  angeboten wird, in St. Bernhard ein Kolumbarium, also einen Aufbewahrungsort für Urnen, zu errichten. Für einen dahingehenden Vorschlag des Pfarrers gibt es keine zwingenden sachlichen Gründe. In Anlehnung an die Aussage des Pfarrers „Die Lage ist aber auch ernst, weil die Zeit drängt" sehen wir uns veranlasst, aus der Mitte der Gemeinde heraus schnellstmöglich eine erste Stellungnahme abzugeben, auch, um den dringend notwendigen Diskussionsprozess anzustoßen: Der Vorschlag beruht im Wesentlichen auf möglichen künftigen Entwicklungen in der Kirche allgemein,  die aber keineswegs mit der erforderlichen Zuverlässigkeit zugrunde gelegt werden können. Dies gilt auch für die Annahme, dass "die kleinen (Kirchen) immer mehr ins Abseits geraten werden". Es ist genauso gut möglich, dass sich die Kirchenbesucher künftig nicht zu den zentral gelegenen großen Kirchen hingezogen fühlen. Denn diese werden einen eher unpersönlichen, unübersichtlichen und damit gar nicht so pastoralen Charakter haben. Es spricht manches dafür, dass die kleinen Kirchen aus diesen Gründen von den Gläubigen künftig gesucht werden und damit alles andere als überflüssig sind.

Es ist widersprüchlich, auf der einen Seite die Entfremdung der Menschen von der Kirche zu beklagen und gleichzeitig die Opferung einer noch intakten und auch lebendigen Gemeinde zu betreiben. Dies aber würde eintreten, wenn die Gläubigen in St. Bernhard ihre Messe zwischen abgestellten Urnen feiern sollten an einem Altar, der in erster Linie Totenmessen und Beisetzungsfeierlichkeiten dient. Daran können auch die vielen "schönen Wendungen" im vorletzten Absatz des Pfarrbriefes nichts ändern. Die erhabenen Ausdrücke gelten vielmehr umso mehr, wenn St. Bernhard nicht nur als Kirche mit Kolumbarium, sondern als Kirche mit Gemeinde fortbesteht! Dem Argument, dass die Toten vom Rande der Stadt wieder ins Zentrum kommen sollten, ist entgegenzuhalten, dass in Berlin die bei weitem meisten Friedhöfe in der Stadt liegen und gerade nicht am Stadtrand. Aus diesem Grunde ist offensichtlich bisher auch niemand auf die Idee gekommen, in Berlin ein Kolumbarium zu errichten. Friedhofsplätze sind in Berlin ausreichend vorhanden, u.a. wegen der veränderten Bestattungspraxis. Es handelt sich bei einem Kolumbarium eher um eine Bedarfsweckung als um eine Bedarfsdeckung. Nicht nachvollziehbar ist weiterhin, warum die "klare, helle und freundliche Architektur der Kirche"  für ein Kolumbarium "geradezu prädestiniert". Da kann es nur verwundern, dass die Kirche nicht schon vor 80 Jahren als Grabeskirche genutzt worden ist. Eine Notwendigkeit, St. Bernhard als einen intakten Kirchenbau der Liturgiereform vom Anfang des 20. Jahrhunderts in seiner Architektur grundlegend zu verändern, ist nicht gegeben. In die pastoralen Räume, die für 2020 geplant sind, gehört St. Bernhard hinein, und zwar als ein wesentlicher Bestandteil. Dafür spricht zum einen die gute Erreichbarkeit der Kirche, die natürlich nicht nur dann gilt, wenn das Gebäude einem anderen Zweck zugeführt werden soll. Gerade wenn die (pastoralen) Räume größer werden, ist es umso wichtiger, dass die Kirchen von den Gläubigen auch erreicht werden können. St. Bernhard ist in der Lage, in mehreren pastoralen Räumen eine wesentliche Rolle zu spielen.  Bei einem Zusammengehen mit St. Karl Borromäus und St. Salvator würde der Bereich von Grunewald über Schmargendorf bis nach Dahlem erfasst werden. Ein Zusammengehen mit den Pfarreien Hl. Familie und St. Annen würde den Raum Lichterfelde, Steglitz und Dahlem erreichen. Schließlich ist zu fragen, warum nicht auch ein Zusammengehen der gesamten Pfarrei Maria Rosenkranzkönigin mit der Gemeinde Maria unter dem Kreuz möglich sein soll. Erfasst würden hierbei  Wilmersdorf, Friedenau, Steglitz und Dahlem. Ein idealer pastoraler Raum!

Es geht im Hinblick auf die Zukunft unserer Kirche nicht darum, ob dort sonntags weiterhin eine Hl. Messe gefeiert wird. Ziel kann nur sein, Kirche und Gemeinde zu erhalten, da es keinen anzuerkennenden Grund dafür gibt, die Gemeinde von der Kirche zu trennen. Auf dieses Anliegen ist der Pfarrer in seinem Artikel mit keinem Wort eingegangen.

Dr. Gerd-Heinrich Kemper, Johannes Fahlbusch,
Margret Wolff-Dunschen, Renate und Michael Hinsken




 

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