Nachruf auf Pfr. Benno Fahlbusch

0

Nachruf auf Pfarrer Benno Fahlbusch

„Padre Benno - sempre positivo"

Von Monsignore Dr. Karl-Heinz Hoefs

Gott, der Herr über Leben und Tod, hat am 1. Juni 2011 seinen treuen Diener, den Pfarrer i.R. Benno Fahlbusch, nach Vollendung des 90. Lebensjahres und im 62. Jahr seines Priestertums in die ewige Herrlichkeit gerufen. Unser Mitbruder starb nach gut überstandener Leistenbruchoperation im St. Joseph-Kran­kenhaus, Tempelhof, plötzlich, nachdem er kurz zuvor noch mit der Kranken­schwester scherzte.

Benno Fahlbusch hat als Sohn des Oberregierungs- und Baurats Wilhelm Fahlbusch (unter anderem Architekt von St. Bernhard, Dahlem) und dessen Ehefrau Aloysia am 15. April 1921 in Berlin-Wilmersdorf das Licht der Welt erblickt und wurde in Heilig Kreuz getauft. Mit fünf Geschwistern wuchs er auf, drei von Ihnen sind schon vor Benno verstorben. Er besuchte das Lietzensee-Gymnasium (Canisiuskolleg), bis die Nazis es geschlossen haben. Deshalb erwarb er das Abitur dann 1939 im Kaiserin-Augusta-Victoria-Gymnasium. Sein Theologiestudium begann er nach dem Arbeitsdienst 1940 in Breslau. Doch dann kam 1941 die vierjährige Kriegspause, in der er zur Wehrmacht musste. 1945 aus der Ge­fangenschaft nach Osnabrück entlassen, meldete er sich beim dortigen Bischof (das Reisen war in der unmittelbaren Nachkriegszeit aus technischen und politischen Gründen eine Katastrophe), um das Studium fortsetzen zu können. Aber er wollte dennoch Berliner bleiben, wenn er nun auch mit den „Osnabrückern" die Philosophie studierte, dann mit ihnen in Frankfurt/St. Georgen die Theologie. Er bekam dafür den Segen von Berlin, später auch für die Pastoral-Ausbildung in Limburg und für die Diakonenweihe 1948 im Limburger Dom durch den Apostolischen Visitator in Deutschland Aloisius Muench. Schließlich spendete ihm Conrad Cardinal von Preysing am 9. Oktober 1949 in Berlin die hl. Priesterweihe.

Seine erste Kaplansstelle war in St. Martin, Kaulsdorf, die zweite ab März 1952 in St. Michael in Berlin-Mitte; die große Kirche in Trümmern, auch alles ringsum, die verbliebenen Wohnungen überbelegt, zusätzlich mit den Vertriebenen aus den deutschen Ostgebieten. Der pastoral orientierte Bischof Wilhelm Weskamm machte den Kaplan am 1. September 1954 zum Domvikar mit den Aufgaben: Bischöflicher Sekretär und Zeremoniar. In dieser Funktion war er auch dem neuen Bischof Kardinal Julius Döpfner eine wichtige Hilfe. Schon 10 Jahre nach seiner Priesterweihe wurde ihm am 1. Mai 1959 die große Wilmersdorfer Pfarrei St. Ludwig anvertraut, die er bis zum 15. August 1986 leitete - zum Marienmonat begann er, mit dem Fest der Vollendung Mariens beschloss er sein dortiges Wirken. Die lange Zeit in St. Ludwig kann hier nicht annähernd gewürdigt werden. Gewinnend immer seine den Menschen zugewandte Art. Eine lange Liste von Kaplänen wäre zu nennen, mit denen er zusammen arbeitete. Die Konzilsjahre und die Umgestaltungen danach fielen in diese Zeit hinein; Renovierungen und Umbauten waren anzugehen, die Gemeinde an das neue Kirchen- und Liturgieverständnis heranzuführen. Und an der Gemeinde hingen weitere große Einrichtungen: die St. Ludwig-Grundschule, das St. Ludwig-Haus...

Was dem Alumnus Benno Fahlbusch im Seminar Minuspunkte einbrachte, war ein großes Plus in seinen Priesterjahren: „... dass er sehr dazu neigt, vielerlei Beziehungen zu haben ...". Das bereicherte nicht nur seine Sekretärs- und Pfarrertätigkeit, sondern gab ihm einen großen Horizont über die Pfarrgrenzen hinaus: ins Dekanat - zum Seelsorgepriester gewählt, damit er mancherlei pastorale Anregungen weitergebe; in die Weltkirche - kontinuierliche Kontakte nach Brasilien (Pfarrer Bernhard Gora) als „Padre Benno - sempre positivo", Gründung eines e.V. zugunsten der Straßenkinder von Sao Paolo, zahlreiche Gemeindefahrten an Pilgerstätten, unübersehbar die treue und innige Beziehung nach Mariazell, nachdem die Original-Kopie der Wallfahrtsstatue von Mariazell, die beim Katholikentag 1952 von Österreich nach Berlin geschenkt wurde, in St. Ludwig einen Ehrenplatz mit dem 1961 errichteten Marienaltar erhielt - immer im Zusam­men­hang gesehen mit der Mauer, den Grenzen, den bedrängten Christen im Osten.

Als Pfarrer Benno Fahlbusch 1986 die Ludwigsgemeinde an den Franziskaner-Konvent weiter gab, hatte er Sehnsucht nach Seelsorge ohne viel Verwaltung. Reichlich sieben Jahre wirkte er dann mit begeisternder Ausstrahlung in Berlin-Tegel als Seelsorger im Humboldt-Krankenhaus und als Subsidiar in St. Joseph und Herz Jesu. Da wuchs ihm auch das Dekanat Reinickendorf ans Herz. Zum 1. Juli 1994 trat er dann in den Ruhestand, den er etliche Jahre hindurch in der Nähe seiner Hildesheimer Angehörigen verlebte, wiederum mit priesterlichen Auf­gaben verbunden. Doch es zog ihn wieder nach Berlin zurück, nunmehr nach Tempelhof. Wo er auch auftauchte, trotz seines Alters Begeisterung, Dankbarkeit, Freude: „Halleluja"!

 

Zurück

INFORMATIONEN


NEWS


GOTTESDIENST