Petrus und Andreas

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Benedikt XVI. und Bartholomaios I.

Benedikt XVI. und Bartholomaios I.

Eine ökumenische Reise nach Konstantinopel

Zwei Protestanten, fünf Orthodoxe und 15 Katholiken reisten jüngst von Berlin an den Bosporus. Archimandrit Emmanuel Sfiatkos, Pfarrer der griechisch-orthodoxen Gemeinde „Christi Himmelfahrt" in Steglitz (sie untersteht dem Ökumenischen Patriarchat) und Pfarrer Andrej N. Desczyk hatten die zum Jahreswechsel spontan gefasste Idee einer ökumenischen Reise nach Konstantinopel, dem heutigen Istanbul, schnell Wirklichkeit werden lassen. Nach der sonntäglichen Feier der Göttlichen Liturgie und der Heiligen Messe fand sich die Gruppe am Abend des 17. Oktober auf der Dachterrasse eines kleinen Hotels unterhalb der „Blauen Moschee", nahe am Marmara-Meer gelegen, wieder.

Ziel der Reise war es, vor allem Jugendlichen die Welt der antiken und christlichen Stadt zu erschließen und die Begegnung mit der Orthodoxie am Sitz ihres Ehrenoberhauptes zu ermöglichen. Mit den beiden Pfarrern, Kaplan Bodenmüller, Jugendlichen, jungen Erwachsenen und einzelnen Interessierten, auch Bezirksbürgermeister Norbert Kopp gehörte dazu, war es eine gemischte Gruppe dreier Generationen, die sich bald als eine bunte Familie erlebte.

Seit der Eroberung Konstantinopels 1453 durch den osmanischen Sultan Mehmet II. ist die Stadt durch den Islam geprägt. Die Besichtigung großer Bauten des letzten halben Jahrhunderts gehört zu jedem Reiseprogramm (die berühmten Moscheen, der Große Basar und der Ägyptische Basar, das Topkapi-Serail und der Dolmahbahce-Palast), ebenso ein Tagesausflug mit dem Boot auf dem Bosporus zwischen Europa und Asien an die Küste des Schwarzen Meeres.

Unsere Gruppe war darüber hinaus aber vor allem auch den 1000 Jahren vor dem Fall der Stadt auf der Spur. So begannen wir unsere Erkundung am Morgen des ersten Tag mit der Besichtigung der „Kleinen Hagia Sophia", einer im 6. Jahrhundert erbauten, den Heiligen Sergios und Backhos gewidmeten Kirche (jetzt Moschee); und wir beendeten sie am letzten Tag mit dem beeindruckenden Besuch der „großen" Hagia Sophia (jetzt Museum). Dazwischen waren wir auf dem Hippodrom, an der Konstantinssäule, in der großen Zisterne, an der theodosianischen Statdmauer und auf dem Galata-Turm. Die Abende verbrachten wir gemeinsam oder teilten uns in kleinere Gruppen in der Altstadt, am Taksim-Platz oder um die Istiklal - hier und da roch es nach Shisha aus den Kleidern...

Höhepunkt der Reise war jedoch die von Vater Emmanuel vermittelte Audienz bei Seiner Allheiligkeit, dem Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios I., Nachfolger des heiligen Apostels Andreas und Ehrenoberhaupt von 300 Millionen orthodoxen Christen in aller Welt. Er empfing uns im Phanar, seiner Residenz am Goldenen Horn, und gewährte uns trotz abendlicher Stunde eine „zeitlose" Begegnung. Wir waren berührt von seinen Ausführungen über seine Studienzeit in München und Rom und über seine Begegnungen mit den Päpsten; zuletzt besuchte ihn Benedikt XVI. im Jahr 2007. Auch die von einem Schmunzeln begleitete Bemerkung des Patriarchen, er sei römischer als mancher katholische Priester, klingt bis heute nach. Unser Segenswunsch für den Patriarchen war Religionsfreiheit, damit das Christentum im Nahen und Fernen Osten dieselbe Freiheit genießen möge wie der Islam im Westen, und er wurde beim Besuch des seit 1971 von der türkischen Regierung geschlossenen orthodoxen Priesterseminars auf der Prinzeninsel Chalki, dem heutigen Heybeli, noch eindringlicher. Zur Zeit Kemal Atatürks (+ 1938) zählte Konstantinopel eine Million Einwohner, davon 200.000 Christen (vor allem Griechen und Armenier); heute zählt die Stadt 15 Millionen Einwohner, von denen nur noch 5.000 Christen sind...

Am Bosporus wandert der Besucher zwischen Kontinenten, Religionen und Kulturen, kurz: zwischen Welten. Wenige Tage Aufenthalt sind darum nicht mehr als eine Annäherung, aber die Begegnung mit Patriarch Bartholomaios bleibt ein unvergessliches Erlebnis und für uns ein weiterer kleiner Schritt auf dem Weg zur Einheit der Kirche.

A.N.D 

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