Renovierung der Stockmann-Orgel in der Rosenkranz-Basilika

0

Die 1966 erbaute Stockmann-Orgel war seit ihrer Erbauung gut gepflegt und immer spielbar gehalten worden. Es hatte aber nie eine tiefgreifende Grundreinigung bzw. Generalüberholung gegeben. Speziell die elektrischen Bauteile im Spieltisch waren verschlissen und stellten langfristig sogar eine Brandgefahr dar.

Nach einem ausführlichen Auswahlverfahren (vier Firmen wurden zu Kostenangeboten aufgefordert) konnte der Kirchenvorstand die Firma Alexander Schuke aus Potsdam mit den Arbeiten beauftragen, die nun im ersten Quartal dieses Jahres abgeschlossen wurden.

Es wurde die Registerzugsteuerung ausgetauscht. Bisher wurden dazu Elektromotoren verwendet, die nicht nur mit der Zeit unzuverlässig geworden waren, sondern auch hin und wieder unnötige Nebengeräusche von sich gaben. Sie wurden durch Magneten ersetzt. Der Spieltisch mit seinen vielen hundert Schaltern sollte optisch und technisch als Zeitzeugnis unverändert bleiben.

Zusätzlich wurden aber sogenannte Setzerkombinationen eingebaut, die über 4000 Möglichkeiten der Registervorbereitung ermöglichen und besonders bei größeren Orgelwerken von Nutzen sind. So etwas gab es 1966 auch schon in England und Amerika, in Deutschland war es damals aber einfach zu teuer. Im Zeitalter der Computerisierung und Miniaturisierung von Bauteilen ist das heute jedoch kein großer Kostenfaktor mehr.

Die Manualklaviaturen wurden erneuert und mit verschleißfreien (optischen) Kontakten versehen. Das gibt es meines Wissens bisher in Berliner Orgeln ansonsten nur noch zweimal, in St. Matthias am Winterfeldtplatz und beim fahrbaren Spieltisch in der Philharmonie.

Alle Pfeifen wurden gereinigt und überarbeitet. Da es sich hier um eine der letzen von Prof. Joseph Ahrens disponierten Orgel handelt, deren Klangbild für die Zeit der 60er Jahre des 20. Jahrhunderts typisch ist, wurden hier keine Änderungen angestrebt. Die Zusammenstellung der Register ist in sich logisch, die Auswahlmöglichkeiten gut durchdacht und vielfältig (anders als bei „meiner", vier Jahre jüngeren Orgel derselben Firma in St. Ludwig, die bei gleicher Registerzahl viel weniger Möglichkeiten bot und deshalb bereits mehrfach geändert und erweitert wurde). Eine Neuintonation war somit nicht erforderlich.

Speziell die größten Pfeifen bestehen aus einer relativ weichen Zinnlegierung und waren teilweise durch ihr Eigengewicht eingesunken. Durch eine geschickte Aufhängung an der Decke wurden die reparierten Basspfeifen nun entlastet. Die Gebläsemaschinen wurden neu gelagert und damit leiser gemacht.

Die Zusammenarbeit zwischen mir als dem zuständigen Sachverständigen des Erzbistums und den Herren von der Firma Alexander Schuke war sehr unkompliziert. Meinem Kollegen Thomas Reske und der ganzen Gemeinde wünsche ich nun viel Freude an der renovierten Orgel.

Norbert Gembaczka
(Kirchenmusiker an St. Ludwig
Orgelsachverständiger im Erzbistum Berlin)

Zurück

INFORMATIONEN


NEWS


GOTTESDIENST