Tänze, Byrek und ein Generator

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Zweiter Teil des Reiseberichts der Pfarrjugend zu unserer Partnergemeinde St. Nikolaus in Velipojë/Albanien vom 19. bis 26. Juni 2015

Tänze, Byrek und ein Generator

Dienstag, 23. Juni 2015

Heute besichtigten wir die Hauptstadt Albaniens: Tirana. Die zweistündige Fahrt dorthin führte vorbei an Bauernhöfen und durch eine Kuhherde, bis sich der Bus endlich durch den dichten Verkehr quälte und uns ein paar Kilometer entfernt vom zentralen, nach dem albanischen Nationalheld benannten Skanderbeg-Platz, herausließ (der Bus durfte aufgrund von Verkehrsregelungen nicht weiter ins Zentrum fahren).

Dort erdrückte uns nicht nur die Hitze, sondern auch die Weite des Platzes, der vom Historischen Nationalmuseum, dem Kulturpalast, der Et'hem-Bey-Moschee, einigen Ministerien und anderen Gebäuden umsäumt wird. Wir besichtigten im Laufe des Tages nicht nur die katholische Kathedrale St. Paulus, in der wir gemeinsam beteten, sondern auch die orthodoxe Kathedrale der Auferstehung Christi und die muslimische Et'hem-Bey-Moschee, die 1794 erbaut wurde. Nach dem Mittagessen begaben wir uns auf die Spuren von Papst Franziskus, der 2014 vom Hauptgebäude der Universität Tiranas am Mutter-Teresa-Platz zu den Gläubigen sprach, unter denen sich auch viele albanische Jugendliche aus unserer Gruppe befanden. Unweit von dort kletterten wir auf das pyramidenartige Enver-Hoxha-Museum, das inzwischen verfällt, aber einen großartigen Blick auf die pulsierende Stadt bietet. Den Abschluss des Tages bildete das gemeinsame Picknicken im Stadtpark Tiranas und die Diskussionsrunde. Aus dieser wurde deutlich, wie zentralistisch Albanien organisiert ist: Die Straßen von/nach Tirana sind am besten ausgebaut, die mit Abstand größte und renommierteste Universität befindet sich dort, genauso wie fast alle Museen und sonstigen kulturellen Einrichtungen. Die meisten internationalen Unternehmen, die in Albanien operieren, haben ihren Sitz in der Hauptstadt und prägen mit ihren Hochhäusern das Stadtbild. Auf der anderen Seite waren fast alle albanischen Jugendlichen seit dem Papstbesuch oder noch länger nicht mehr in Tirana. Als Grund dafür wurden die unpraktischen öffentlichen Busverbindungen genannt, die zwar Tirana mit z.B. Shkoder verbinden, jedoch auf dem Weg dorthin alle paar hundert Meter anhalten, um Passagiere aufzunehmen oder abzusetzen, was die Fahrtdauer ins Unermessliche zieht. Insgesamt war dieser Tag das komplette Kontrastprogramm zum Tag davor, als wir unterschiedliche und teilweise extrem bedürftige Familien aus der ländlichen Region um Velipojë besuchten. Die Verteilung von Bildungschancen sowie von Jobmöglichkeiten und damit von Wohlstand scheint in Albanien auch regional stark verschieden.                                                 Ferdinand Ferber

Mittwoch, 24. Juni 2015

Der heutige Tag begann wie immer mit einem Gebet und dem Frühstück. Wir trafen uns mit den albanischen Jugendlichen am Bus, denn für heute war eine Bootstour auf dem Koman-Stausee in den Bergen geplant.

Auf dem Weg dahin hatten wir viele interessante Gespräche und sangen einige albanische/deutsche Kirchenlieder. Die Wege, die wir fuhren, waren kurvenreich und hügelig, aber die Aussicht auf die vorbeiziehende Landschaft war es auf jeden Fall wert. Die ganze Fahrt dauerte fast drei Stunden und als wir ankamen, stiegen wir in das Boot um.

Doch wie das Schicksal so spielt, konnten wir nicht sofort losfahren, da der Motor nicht anspringen wollte. So mussten wir vorerst in ein anderes Boot umsteigen, während die Bootsmannschaft versuchte, den Motor wieder in Gang zu bringen. Sie gaben sich sehr viel Mühe und nach einiger Zeit funktionierte der Motor wieder, sodass wir in unser Boot zurückkehren konnten. Dann ging die Fahrt endlich los. Kurz darauf fing es an etwas zu regnen, doch weil das Boot überdacht war, wurden wir kaum nass. Das war ein zusätzliches Abenteuer und wir hatten viel Spaß dabei. Wir fuhren an Berghängen und felsigen Uferbereichen vorbei, die mit Bäumen und Sträuchern bewachsen waren. Alles zusammen sah so wunderschön und friedlich aus. Mit der Zeit wurden wir hungrig, doch nach einer Runde Schokolade, die die albanischen Jugendlichen mit uns teilten, ging es uns allen wieder besser. Plötzlich kamen wir an eine Sandbank, die mit dem Boot nicht zu überqueren war. Wir mussten auf dem gleichen Weg wieder zurückfahren, aber vorher machten wir ein Picknick bei einer kleinen Hütte. Nach dem Essen nutzten einige die Zeit um schwimmen zu gehen, während andere sich sonnten und miteinander unterhielten.

Auf dem Rückweg fiel dem Kaplan ein lustiges Klatschspiel ein, das wir die ganze Fahrt über spielten. Es hat sehr viel Spaß gemacht und die Zeit verging wie im Flug. Als wir an der Anlegestelle ankamen, führte uns Dr. Verheyen zu einer riesigen Höhlung, in der eine beeindruckende Marien-Statue stand. Im Bus hatten wir noch eine Diskus-

sionsrunde über Umweltthemen, u.a. Mülltrennung, und, wie es wohl wäre, wenn sich das in Albanien auch durchsetzen würde. Nachdem wir nach Velipojë zurückgekehrten, gab es im Kloster eine Abendmesse und danach das Abendessen, das immer mit einem Gebet anfing und auch endete.        Felicia Müller-Buhl

 

Donnerstag, 25. Juni 2015

Am letzten vollen Tag in Albanien besuchten wir, zusammen mit den albanischen Jugendlichen, die Hafenstadt Durrës. Mein Eindruck von Durrës war anfangs etwas erschreckend. Im Vorfeld der Fahrt hatte ich gelesen, dass Durrës die größte Hafenstadt Albaniens und von existenzieller Bedeutung für die albanische Wirtschaft sei.

Dementsprechend groß, modern und glanzvoll stellte ich mir Durrës vor. Ich wurde jedoch etwas enttäuscht. Je weiter man sich vom Stadtgebiet entlang der Küste entfernte, desto mehr gab es viele alte heruntergekommene Häuser, sehr oft eine albanische Version von Plattenbauten aus der Ära des Kommunismus mit entsprechendem Charme. Mehr in Übereinstimmung mit meinen Erwartungen, hat mir eine Art Pier gefallen, der Restaurants und Geschäfte beherbergte. Diese Anlage war modern und hatte eine kleine hübsche Brücke, die als Fotomotiv gut geeignet war.

Da es der letzte Tag war, fiel die Diskussionsrunde anders aus als bisher. Wir bildeten Paare oder kleinere Grüppchen, in denen es maximal eine deutsche Person gab. In der gemeinsamen Runde wurden die einzelnen Gesprächsergebnisse vorgestellt. Danach gab es eine Abschlussrunde, in der jeder mit einem Satz sagen konnte, was ihm gefallen, ihn beeindruckt oder vielleicht überrascht hatte. Einer der Albaner, Robert, sagte zum Beispiel etwas scherzhaft, dass die Deutschen nicht so pünktlich seien, wie er es sich vorgestellt hatte. Im Allgemeinen konnte man bei dieser Runde zwei Tendenzen beobachten. Bei den Deutschen spürte man, dass sie bemerkt hatten, wie gut es ihnen zu Hause geht, und dass sie ihr Leben nun viel mehr schätzen sollten, weil sie gesehen hatten, dass Dinge wie eine super-funktionierende Infrastruktur (Straßen, Busse, Post usw.) nicht selbstverständlich sind.

Bei den Albanern wurde klar, dass sie am Anfang etwas „schockiert" von den Deutschen waren, da diese nicht so offen und (auf den ersten Blick) nicht sehr freundlich gewirkt hätten, aber dass die Gastgeber jedoch im Laufe der Fahrt bemerkt hatten, dass dies nur eine Art der (kulturellen) Höflichkeit der Deutschen ist. Die Diskussionsrunde fand übrigens im Schatten einer Kirche statt, die der heiligen Lucia geweiht ist und vor kurzem durch finanzielle Unterstützung von Renovabis renoviert werden konnte.                                                              Max Ferber

Freitag, 26. Juni 2015

Der letzte Tag unserer Reise begann wie der erste: früh. Gemeinsam gingen wir zum Frühstück und nahmen unser vorerst letztes Essen im Kloster in Velipojë ein. Wie jeden Morgen gab es frisches Brot, Wurst, Käse und Kaffee. Uns wurde erzählt, wir würden erst um 10.30 Uhr losfahren. Anstatt die Zeit auf unseren Zimmern zu verschwenden, haben wir uns dazu entschlossen noch ein letztes Mal die Natur Albaniens zu genießen. Wir machten uns also auf den Weg und gingen an der "Hauptstraße" entlang. Es ist ungewöhnlich für manche Albaner, eine solche Straße entlang zu Fuß zu gehen, und da wir auch noch ausländisch waren, wurden wir freundlich von den Autofahrern angestarrt. Unser Ziel war der Strand, den wir bei unseren zwei anderen Besuchen einige Tage zuvor so sehr genossen hatten. Die Straße, an der wir vorbeiliefen, war in einem für Albanien gutem Zustand, links und rechts allerdings Dreck, Müll und Staub. Die Sonne strahlte auf uns herab und wir versuchten die letzten Sonnenstrahlen aufzusaugen, bevor es wieder zurück in die wolkige Heimat ging.

Zurück im Kloster kam dann doch der Moment des Abschieds. Die Schwestern waren wie bei der Begrüßung sehr, sehr herzlich. Man hatte das Gefühl, dass die Schwestern uns wirklich vermissen würden, da sie auch uns in der kurzen Zeit stark ans Herz gewachsen waren.

Die Fahrt zum Flughafen war verhältnismäßig still, kaum jemand redete, was mir ganz komisch vorkam, da normalerweise mit den albanischen Jugendlichen immer Partystimmung im Bus herrschte. Am Flughafen angekommen ging dann alles ganz schnell, die Koffer wurden eingecheckt, wir gingen durch die Sicherheitskontrollen und bald darauf saßen wir auch schon im Flieger nach Wien.

Kurz umgestiegen und Berlin war nur noch einen Katzensprung entfernt. Auf unser Gepäck warteten wir, in Berlin angekommen, so gut wie gar nicht und nach einem schönen Abschied ging es dann hinaus, zurück in unsere Stadt Berlin.

Im Allgemeinen kann man sagen, dass wir alle vieles aus dieser Reise mitgenommen haben. Schon allein die Energie der albanischen Jugendlichen war so ansteckend, dass man sie hier zu Lande doch sehr vermisst. Es war eine erfolgreiche, kulturelle Reise, die ich nur jedem anderen empfehlen kann, der weder Albanien noch die albanische Kirche kennt. Die Reise war ein tolles Programm um die Freundschaft zwischen Deutschland und Albanien zu fördern. Wir sind alle sehr dankbar, dass uns diese Reise ermöglicht wurde, und können nur an die nächsten Generationen appellieren, es uns gleich zu tun. Bis heute haben die meisten von uns noch regelmäßigen Kontakt mit unseren neugewonnenen, albanischen Freunden und können es kaum erwarten, sie alle im nächsten Jahr auf dem Weltjugendtag in Krakau wieder zu sehen.                                  Caroline von Thadden


Der erste Teil des Reiseberichts erschien in den Pfarrnachrichten Oktober 2015

 

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