Tänze, Byrek und ein Generator

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Tänze, Byrek und ein Generator

Im Rahmen der im Jahr 2005 gegründeten Pfarreipartnerschaft zwischen Maria Rosenkranzkönigin und Shen Nikolla (St. Nikolaus) in Velipojë, Albanien fand vom 19. bis 26. Juni 2015 eine Reise einiger Jugendlichen aus der Steglitzer Pfarrei nach Albanien statt, begleitet von Kaplan Hubert Bodenmüller und Dr. Dirk Verheyen, dem Koordinator der Partnerschaft in der Pfarrei. Die Reise wurde gefördert durch Mittel aus der eigenen Pfarrei, von Renovabis und dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Ziel der Reise war eine Begegnung und ein kultureller Austausch mit Jugendlichen der Pfarrei in Velipojë und das Kennenlernen unserer Gastgeber und deren Landes und Kultur. Als programmatisches Fundament diente das Thema „Jugendidentitäten und Jugendwelten in Europa: eine Begegnung deutscher und albanischer Jugendlichen", wobei es zu jedem Tag in diesem Gesamtrahmen ein spezifisches Thema für eine abschließende Gesprächsrunde gab. In zwei Teilen präsentieren die teilnehmenden Berliner Jugendlichen ihre Reiseerfahrung. (D.V.)

Anreise über Wien, Tirana und ein herzliches Willkommen

Nach zwei entspannten Flügen kamen wir, die Jugendgruppe der Rosenkranz-Basilika, endlich am Flughafen in Tirana an. Was sofort auffiel, war das unglaublich schöne und warme Wetter. Am Flughafen wurden wir dann sehr herzlich von Don Vlash, Pfarrer der Partnergemeinde, und Sr. Joela vom Kloster der Franziskanerinnen in Velipojë begrüßt und auch schon gleich ins Land eingewiesen. Die zweistündige Autofahrt nach Velopojë gab uns erste Eindrücke, auf was für ein Abenteuer wir uns eingelassen hatten. Bereits unterwegs wurde uns traditionell albanische Musik vorgestellt, die uns durch ihren Rhythmus gleich heimisch fühlen ließ. Die vielen, kleinen Obststände an den Straßenseiten boten sehr leckere Früchte an und eine kleine Kostprobe war auch mit dabei.

Nach der Fahrt kamen wir im Kloster an, wo wir herzlichst von den dortigen Schwestern begrüßt wurden und sogleich bekocht wurden. Die Schwestern waren sehr gesprächig, da wir durch deren Deutschkenntnisse auch keine Verständigungsprobleme hatten. Nach dem Kennenlernen der Schwestern trafen wir auf die albanischen Jugendlichen. Noch nie habe ich in meinem Leben so offene und energiegeladene Menschen getroffen. Nach einer kurzen Besichtigung der freundlichen und hellen Pfarreikirche wurden wir zum Abendessen mit den Jugendlichen eingeladen. Es gab selbstgemachte Pizza aus dem Steinofen und der italienische Einfluss in Albanien war deutlich spürbar. Durch eine festgelegte Sitzordnung unserer Betreuer kamen Deutsche und Albaner sofort ins Gespräch und erste Freundschaften wurden bereits geschlossen. Kurz darauf fing das Tanzen an. Wir erkannten die Lieder von der Autofahrt wieder und waren sogleich motiviert, albanische Tänze zu lernen. Ein wenig albern haben wir dabei wahrscheinlich gewirkt, da die Albaner das Tanzen eindeutig mehr im Blut haben als wir Deutschen. Doch es wurde nicht nur getanzt, auch Tischtennis wurde gespielt und Lacher waren vorprogrammiert. Alles in allem hätte es kein herzlicheres Willkommen geben können. Nach dem Kennenlernen kam es dann noch zur Geschenkübergabe, denn wir hatten eine Vatikan-Fahne und eine Berliner Flagge besorgt, die mit Freude angenommen wurden und am nächsten Morgen sofort an den bereits vorhandenen Masten wehten. Zum Schluss beteten wir alle gemeinsam auf Deutsch und Albanisch, was anfangs seltsam erschien, aber irgendwie doch ein Gefühl der Zusammengehörigkeit schuf. Todmüde fielen wir nach diesem ereignisreichen Tag ins Bett und schliefen sofort ein.

Caroline von Thadden

Samstag: Wir haben uns morgens früh - nach einem guten Frühstück mit den Schwestern im Kloster - im Pfarrhof mit den albanischen Jugendlichen getroffen. Um die Wartezeit auf einige Gruppenmitglieder zu verkürzen haben wir Gruppenspiele gespielt. Das war gewissermaßen die Spezialität der albanischen Jugendlichen, da diese sich in der Gemeinde insbesondere im Umgang mit Kindern engagieren und daher ein großes Repertoire zur Beschäftigung haben.

Als dann alle fertig waren, ging es los zum Meer, denn Velipojë liegt unmittelbar an der nordalbanischen Küste. Dort haben wir erst einen ausgedehnten Spaziergang gemacht und uns u.a. die ehemals von kommunistischen Führungspersonen bewohnte Wohngegend zeigen lassen. Ein langer Spazierweg aus Beton läuft zwischen dem breiten Strand und dem durch eine Mischung von alter, oft sehr schlechter Bebauung und verschiedenen Baustellen gekennzeichneten Ort. Anschließend haben wir den Nachmittag gemeinsam am Meer verbracht und uns dort mit verschiedenen Fragen, Themen und Gesprächsrunden besser kennengelernt. Es gab ein typisch albanisches Essen: Blätterteigtaschen mit Joghurtfüllung, Byrek genannt. Später am Abend, als wir zurück im Kloster waren, erlebten wir noch den ersten Stromausfall der Woche. Der riesige Generator wurde angeworfen und man hat sein Brummen im ganzen Haus gehört. In den nächsten Tagen wurde dieses Brummen dann zum Signal, dass es morgens nur eine kalte Dusche gab...                                                                                     

  Juliane Klaura

Der Sonntag begann mit der Hl. Messe in unserer Partnergemeinde Shen Nikolla. Obwohl wir weder die Lieder mitsingen konnten noch die Predigt verstanden, war dies dennoch ein schönes Erlebnis. Zum einen, weil die Kirche besonders hell, offen und - anders in Berlin - sehr gut besucht war und zum anderen, weil die Menschen in der Kirche mit Leib und Seele dabei waren, was die Lieder sowie die Gebete betraf. Das war einfach eine wunderschöne Erfahrung. Neu für uns war auch die Geschlechtertrennung in der Kirche, so saßen die Männer links, während die Frauen rechts saßen.

Nach einem wunderbaren Mittagessen bei den Schwestern im Kloster gingen wir mit der albanischen Jugendgruppe zusammen nach Shkodër im Norden Albaniens. Zunächst einmal besuchten wir die Burg Shkodërs. Anschließend ging es weiter in die Stadt selbst zur Stephanskathedrale; diese wurde zur kommunistischen Herrschaftszeit (1945-1991), die eine atheistische Lebensweise erzwang, zu einer Turnhalle umfunktioniert. Nichtsdestotrotz gab es zu der Zeit katholische Märtyrer, die in vielfältiger Weise Widerstand leisteten und daraufhin hingerichtet wurden. Diese Märtyrer werden mit einer Fotowand in der Kirche gewürdigt. Anschließend besichtigten wir dort eine Moschee (Xhamia Ebu Beker Moschee, die Hauptmoschee Shkodërs), die auch sehr hell und einladend war. Danach wollten wir auch noch eine orthodoxe Kirche besuchen, allerdings war diese leider geschlossen. Insgesamt machten wir einen allgemeinen Rundgang durch das alte Zentrum dieser Stadt. In der abendlichen Gesprächsrunde zum Thema: „Katholische Identität in Albanien und Deutschland", die im Gebäude des Priesterseminars in Shkodër stattfand, kam heraus, dass alle stolz auf ihren katholischen Glauben sind, obwohl die Katholiken in Albanien und Berlin als Minderheit zu sehen sind. Dennoch gibt es in Deutschland einige Schwierigkeiten, zu seinem Glauben zu stehen, da die allgemeine Akzeptanz für Religion fehlt, sodass manche wegen ihres katholischen Glaubens belächelt werden. Auf der Rückfahrt waren die Albaner sehr gesprächig und aktiv, während die deutschen Teilnehmer einfach nur erschöpft in ihren Sitzen im Bus saßen. Trotz unserer Müdigkeit gingen wir auf dem Weg nach Velipojë noch in einem Restaurant essen, und so klang auch schon der dritte Tag in Albanien harmonisch aus.      

Marie Gutmann

Montag: Nachdem wir in den ersten Tagen den Ort Velipojë und die benachbarte Stadt Shkodër erkundet hatten, war es nun an der Zeit sich noch etwas stärker mit der Bevölkerung zu beschäftigen - die Menschen und ihre Sitten und Bräuche kennen zu lernen und vielleicht auch versuchen zu verstehen. Zusammen mit den albanischen Jugendlichen machten wir uns auf den Weg in ein kleines Dorf namens Ças. Nachdem wir dort das ziemlich primitive „Schulhaus", einen kleinen Raum mit Gittern vor den Fenstern, in dem, laut Schwester Joela, 30 Kinder unterrichtet würden, besichtigt hatten, gingen wir durch das Dorf, um eine der Familien zu besuchen, welche von unserer Gemeinde unterstützt wird. Als wir bei dem Haus der Familie ankamen, fiel mir sofort der große Gemüsegarten auf, der das Haus umgab und der dem Haus eigentlich eine freundliche Atmosphäre zusprach. Doch dieser Eindruck änderte sich, als ich das Haus betrat. Es war dunkel und der kalte, schwarze Steinboden sowie die dreckigen, weißen Wände wirkten sehr bedrückend. Drei kleine Kinder führten mich in einen Raum, in dem sich drei Sofas, eine kleine Kochnische und ein Fernseher befanden. Dies schien das Wohnzimmer zu sein. Nachdem ich mich ein bisschen mit den Kindern unterhalten hatte (wir sprachen über die Katzenbabys, die auf einem der drei Sofas lagen), trat ich wieder hinaus in den Garten, wo die anderen Jugendlichen sich mit den Eltern unterhielten. Ich verteilte die Schokolade, die wir aus Berlin mitgebracht hatten, und schließlich verabschiedeten wir uns. Anschließend liefen wir noch ein bisschen durch das Dorf, vergaben noch ein paar weitere Tafeln Schokolade und schließlich stiegen wir wieder in unseren Bus und machten uns auf den Weg in das nächste Dorf namens Reç. Dort besuchten wir eine Frau, deren neues Haus u.a. durch finanzielle Unterstützung aus unserer Berliner Pfarrgemeinde gebaut worden war. Es handelte sich hierbei um ein weißes Haus mit einer Terrasse. Allerdings gab es außer ein paar Sofas noch keine weiteren Möbel, sodass die Frau und ihre Familie das Haus noch nicht bewohnen konnten und bei anderen Familien Unterschlupf suchen mussten.

Schließlich verabschiedeten wir uns und machten uns auf den Weg zu einer Familie, bestehend aus einer Mutter, einem Vater (der aber nicht anwesend war) und ihren beiden schwer kranken/behinderten Kindern. Die Geschwister Gina und David, beide bereits zwischen 25 und 30 Jahren alt, leiden an einer Erbkrankheit, die ihre Muskeln betrifft und wegen der sie nicht laufen können. In einem kleinen Wohnzimmer standen oder saßen wir also zusammen mit den beiden Geschwistern und hatten anfangs Mühe, beim Gespräch sozusagen das Eis zu brechen. Doch die Albaner kamen uns zu Hilfe, sie kannten die beiden Geschwister und so unterhielt ich mich schließlich mit David, der sich sehr für Deutschland und seine Fußballclubs interessierte, während ein albanisches Mädchen für uns beide dolmetschte.

Nach etwa einer Stunde verließen wir die Familie und machten uns auf den Weg zurück ins Kloster, wo wir gemeinsam zu Mittag aßen, um anschließend zwei Familien in Velipojë zu besuchen. Sowohl in der einen als auch in der anderen Familie wurden wir unglaublich herzlich empfangen. Es gab kalte Getränke, Obst und Bonbons und nachdem wir alle versorgt waren, begannen wir miteinander zu sprechen. Themen waren die bevorstehende Hochzeit der Tochter der einen Familie, die Wahl vom Sonntag und deutscher Fußball. Alles in allem ergab sich eine recht gemütliche Stimmung und so kehrten wir erst gegen Abend in das Kloster zurück. Nach dem gemeinsamen Abendessen und der Andacht trafen wir Jugendlichen uns und sprachen über die vielen Eindrücke, die wir am heutigen Tag gesammelt hatten.                                                              

Johanna Schlögl



 

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