"Wo glauben Raum gewinnt" - Erste Orietierung in einem langen Prozess

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Nicht völlig unbemerkt ist durch einen Hirtenbrief des Erzbischofs Woelki vom Dezember 2012 im gesamten Erzbistum ein Prozess der pastoralen Neuorientierung („Wo Glauben Raum gewinnt") eingeläutet worden, der zu einer dauerhaften Lösung bestimmter Probleme führen soll. Dieser Prozess soll sich in mehreren Schritten vollziehen. Bis spätestens 2016 soll die sog. Findungsphase dauern, in der die bestehenden Gemeinden versuchen sollen, Partner für die neuen ca. 30 Großgemeinden zu finden. Von 2016 bis vermutlich 2019/20 schließt sich dann eine Entwicklungsphase an. Erst in dieser sollen - gemeinsam - konkrete Vereinbarungen getroffen und neue Strukturen geschaffen werden. Die Herausforderung besteht nun darin, schon in der Findungsphase möglichst viel Sicherheit darüber zu erhalten, dass die weitere Zusammenarbeit zum Erfolg führen kann.

Die zentralen Botschaften bzw. Ziele, die als Leitbild über dem gesamten Prozess stehen, sind „mehr Kirche zu werden" und „eine Pastoral des Glaubenswachstums zu initiieren". Es geht dabei vor allem um die Frage, wie die katholische Kirche zukünftig ihren Auftrag wahrnehmen will, Menschen mit Gott und Jesus Christus in Berührung zu bringen. Dies bezieht sich sowohl auf jene, die Mitglieder der Kirche sind, als auch auf diejenigen, die es (noch) nicht oder nicht mehr sind. Die besondere Herausforderung, aber auch Chance liegt dabei darin, dass alle kirchlichen Akteure, die in dem neuen Pastoralen Raum aktiv sind, zusammengebracht werden sollen, um nach Wegen und Formen der gemeinsamen Kooperation und gegenseitigen Unterstützung zu suchen. Diese Kooperation soll einen Mehrwert in Bezug auf die Gemeindearbeit darstellen und damit kirchliches Leben insgesamt stärken, indem der Blick besonders auch auf diejenigen gerichtet wird, die bisher nicht in Kirche oder Gesellschaft integriert sind. Viele mögen diese Vorhaben angesichts der Tatsache, dass die gerade vollzogenen Fusionen manchenorts noch nicht ganz „verkraftet" sind, für sehr ambitioniert halten. Hinzu kommt noch die Unsicherheit, ob der anvisierte Weg wirklich gangbar ist. Doch hilft alles Lamentieren nichts, denn es gilt die Weisheit, dass nur der, der sich dem Neuen stellt, die Chance hat, die weitere Entwicklung in seinem Sinne zu beeinflussen. Außerdem sind wir auch offiziell zum Handeln aufgerufen worden. Eine Blockade wäre daher unseres Erachtens nicht zielführend, sondern eher kontraproduktiv.

Die Findungsphase haben wir in unserer Gemeinde Anfang dieses Jahres eingeleitet. Der Pfarrgemeinderat hat sich in seiner Sitzung vom 20. Februar 2014 erstmals intensiv mit dem Thema beschäftigt und nach Austausch einiger grundsätzlicher Erwägungen (z.B. Ermittlung des Ist-Zustands) einen achtköpfigen Ausschuss unter der Leitung von Frau Karin Schneider-Ferber gebildet. Diesem gehören weiter Frau Renate Bittlingmayer, Frau Marianne Daske, Frau Michaela Maasberg, Frau Margret Wolff-Dunschen (für den Kirchenvorstand), Herr Max Barthel, Herr Daniel Eckardt und Herr Andreas Kleinert an. Der Ausschuss soll das weitere Vorgehen organisieren und koordinieren, auch inhaltliche Anstöße geben (im Sinne von „vordenken"), aber natürlich keine eigenen Entscheidungen treffen, sondern die Ergebnisse bzw. Vorschläge zurück in den Pfarrgemeinderat bzw. andere Gremien tragen. Der Ausschuss hat dann erstmals am 13. März 2014 getagt und sich über einige Inhalte sowie eine Strategie für die Gespräche mit anderen Gemeinden verständigt. Zu diesem Zeitpunkt lag uns bereits eine Anfrage der Gemeinde „Maria unter dem Kreuz" (Wilmersdorf) für ein Gespräch vor, das dann am 25. März 2014 in den Räumen unserer Pfarrei stattfand. Hauptziel dieses Gesprächs war es herauszufinden, ob die jeweils andere Seite überhaupt fusionswillig ist. Dabei wurden z.B. die bisherigen Fusionserfahrungen ausgetauscht, bestehende Strukturen (z.B. die Verkehrsanbindung) bzw. die Milieus beider Gemeinden analysiert, aber auch über Stärken und (von unserer Seite) auch über Schwächen bzw. Entwicklungspotenziale geredet. Einmütigkeit herrschte auch in der Frage, dass die Bildung Pastoraler Räume unabhängig von dem derzeitigen Personal ablaufen soll. Wichtig erschien uns dabei auch zu sein, dass es keine Dinge geben sollte, die der Bildung eines pastoralen Raums entgegenstehen bzw. sie behindern, also eine gemeinsame „Visionsfähigkeit" unter Berücksichtigung aller Stärken und Schwächen vorhanden sein sollte. Nach einer intensiven und konstruktiven Diskussion bekundeten beide Seiten, für weitere Gespräche offen zu sein.

Die getroffenen Überlegungen sowie die Ergebnisse des Gesprächs wurden dem Pfarrgemeinderat am 15. Mai 2014 vorgetragen, eingehend erläutert und für gut befunden. Daneben wurde noch die weitere Vorgehensweise abgestimmt, also in welcher Reihenfolge Gespräche mit weiteren Gemeinden geführt werden. Ein nächstes Treffen wurde für Ende Juni mit der Gemeinde „St. Benedikt" in Lankwitz vereinbart, mit der unsere Gemeinde bereits seit einigen Jahren, z.B. im Bereich des Firmunterrichts, kooperiert. Gespräche mit den Gemeinden „Heilige Familie", „Herz Jesu" sowie „St. Norbert" (Schöneberg) sollen folgen, wobei die Reihenfolge noch unklar ist, von unserer Seite aber auch keine Präferenzen bestehen. Die Ergebnisse sollen dann stets in den Pfarrgemeinderat eingebracht werden. Gedacht ist für den Herbst/Winter 2014/15 auch an eine oder mehrere Pfarrversammlungen zu diesem Thema, wobei wir denken, dass sich diese erst lohnen, wenn konkretere Ergebnisse vorliegen bzw. Tendenzen deutlich werden.

Daniel Eckardt

 

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