Zum Tod von Pfarrer Konrad Beißel

0

Mein geistliches Testament!

Mein Dank gilt Gott, unserem himmlischen Vater, der mir dieses Leben geschenkt hat. Vor allem danke ich Ihm für die guten Eltern, die Er mir gab, sie hatten mir ein gutes christliches Leben vorgelebt und dadurch den Grundstein für mein Priestertum gelegt. Gott, der Herr über Leben und Tod, hat mir so oft seine Liebe erwiesen. Er möge mir verzeihen, wenn ich oft vergessen habe, diese Liebe in meinem Leben zu erwidern. Gott sei mir ein gnädiger Richter, denn nur wenn Er sich meiner erbarmt, kann ich vor Ihm bestehen. Herr, ich vertraue auf Deine Liebe.

Diese Liebe hast Du mir gezeigt, indem Du mich zum Priestertum Deines Sohnes berufen hast. Es ist für mein Leben das höchste Glück gewesen, daß ich Gott und den Menschen als Priester dienen durfte. So hast Du mich, o Herr, über alle Maßen reich beschenkt, Dank sei Dir, o Herr.

Alle Menschen bitte ich um Verzeihung, die ich durch Lieblosigkeit gekränkt und verletzt habe. Wenn ich jemandem Anlaß gegeben habe, weil ich meine Aufgaben in meinem Beruf nicht treu und klar genug erfüllte, so bitte ich um sein Erbarmen.

Herr, nimm mich, Deinen Knecht, in Deine Herrlichkeit und schenke mir trotz meiner Unwürdigkeit, Gemeinschaft mit Deinen Heiligen. Amen.

Konrad Beißel, Kaplan

Luckenwalde, am 5. Sonntag nach Pfingsten, 11. Juli 1965


Liebe Mitbrüder,

Christus, unser Herr, hat am 14. September, dem Fest Kreuzerhöhung, im Karl-Steeb-Heim in Berlin-Grunewald seinen getreuen Diener, den Pfarrer i. R. Konrad Beißel, kurz vor Vollendung des 75. Lebensjahres und im 48. Jahr seines Priestertums plötzlich aus dem irdischen Leben abberufen.

Konrad Beißel, am 1. Oktober 1935 in Berlin geboren und als ältester von drei Brüdern in Berlin-Schöneberg aufgewachsen, hat früh eine feste Bindung an die katholische Kirche, namentlich die Gemeinde St. Elisabeth gefunden. Für ihn war klar, dass er sich nach dem in Schöneberg abgelegten Abitur für den Priesterberuf zur Verfügung stellt. Dies bedeutete unter Bischof Weskamm: Auch die Westberliner sollen in Erfurt studieren. Konrad gab die Zusage, so dass dann auch der entsetzte Vater einwilligte. Der Studienzeit, in die die Errichtung der Berliner Mauer und somit die Trennung des Studierenden von der Familie fiel, folgte das Pastoralseminar Neuzelle. Am 30. Juni 1963 empfing Konrad Beißel in der Pfarrkirche St. Augustinus die Priesterweihe, feierte die Primiz in St. Franz Xaver, Berlin-Mitte, während Kaplan Knauft in St. Elisabeth, Schöneberg, in Abwesenheit des Primizianten die Primizpredigt hielt. Es folgten Kaplansstellen in Luckenwalde und Stralsund, dann 1967 - zusammen mit der Aufgabe als Zeremoniar für Weihbischof Theissing - die Bestellung zum Spiritual im Bischöflichen Vorseminar Schöneiche. 1969 wurde er dort Rektor und wandelte das Bischöfliche Vorseminar zum Sprachenkurs um. Als Kardinal Alfred Bengsch wegen seiner schweren Erkrankung einen reiferen Sekretär benötigte, berief er dafür Konrad Beißel; beide kannten sich aus der gleichen Heimatgemeinde. Domvikar Beißel bekam nun Anteil an den vielfältigen Aufgaben des Kardinals in Ost und West, im Bistum und in der Weltkirche. Auch zu zwei Konklaven hat er 1978 den Kardinal nach Rom begleitet. Als dem Kardinal Bengsch 1980 Joachim Meisner als Bischof nachfolgte, konnte der erfahrene Domvikar Beißel ihm gut beim Einstieg helfen. Bewundert haben alle, wie Domvikar Beißel dem Bischof beim Einführungsgottesdienst alle Priester aus Ost und West mit Namen und mit dem Ort des Wirkens vorstellen konnte. 1982 übernahm Pfarrer Beißel die Pfarrei St. Antonius in Potsdam-Babelsberg, zusätzlich war er eine Zeitlang Beauftragter für die Rundfunkarbeit bei Antenne Brandenburg, 1991 wurde er Pfarrer in St. Joseph, Wedding, um dort in einer Priesterwohngemeinschaft des Fokolars zu leben. 1994 wurde er zum Vorsitzenden des Caritasverbandes für Berlin e.V. gewählt. 2002 musste er aus gesundheitlichen Gründen die Pfarrei aufgeben und um den Ruhestand bitten. Er lebte und half dann zunächst in der Rosenkranz-Basilika, bevor die Folgen seiner fortschreitenden Diabetes ihn zwangen, ins Karl-Steeb-Heim umzuziehen.

Pfarrer Beißel war ein typischer Berliner: quirlig, freiheitsliebend und spontan, mobil und reisefreudig, kultur- und musikliebend, ergriff gern die Initiative. Er liebte Zukunftsweisendes: neue Technik, neue Pastoral. So zog ihn schon vor der Priesterweihe die Fokolarbewegung an, der er sich später verbindlich anschloss. Das Leben nach dem Evangelium jungen Leuten einzupflanzen, war ihm wichtig, wenn es gelang, war er froh. Unter den Heiligen bevorzugte er die Glaubenszeugen der Jetzt-Zeit, heiliggesprochen oder (noch) nicht. Gern hätte er die Seligsprechung von Max Josef Metzger erlebt, dessen Spuren er im Wedding fand. Er suchte die frohe Gemeinschaft mit Freunden und Mitbrüdern; diese bezeugten ihm ihre Wertschätzung, indem sie ihn in den Priesterrat wählten. Die Einschrän­kungen, die seine Krankheit ihm zunehmend auferlegte, suchte er möglichst zu verdrängen, nahm sie aber doch an und blieb dennoch voller Unternehmungslust.

Ein Gebet von Kardinal Newman, zu dessen Seligsprechung der Papst gerade jetzt nach Großbritannien gereist ist, wählte Konrad Beißel einst für sein Primizbild: „Herr, ich gebe mich Dir, ich vertraue Dir ganz. Erfülle denn Deinen hohen Ratschluss an mir. Ich bin geboren, Dir zu dienen, Dir ganz zu gehören, Dein Werkzeug zu sein." Es erfüllt sich nun in ganz eigener Weise.


                         R. i. p.

                       Karl-Heinz Hoefs
                     Ordinariatsrat


Predigt zum Requiem für Pfarrer Konrad Beißel

1. Oktober 1935             + 14. September 2010

Lesung: Hebr 4,14-5,9 / Der Hohepriester

Lesung vom Gedenktag der Schmerzen Mariens (15.09.)

Evgl.: Joh 1,45-51 / Evangelium von Natanael:

Ein wahrer Israelit - noch Größeres wirst du sehen!

Liebe Angehörige und Freunde von Konrad Beißel,

sehr geehrter, lieber Weihbischof Matthias,

liebe Mitbrüder, liebe Schwestern und Brüder!

Unser lieber Mitbruder - ich möchte lieber sagen: unser Bruder Konni Beißel wurde vor fast genau 75 Jahren am 1. Oktober, dem Feiertag der kleinen Therèse von Lisieux, in dieses Leben hineingeboren und am Fest der Kreuzerhöhung vor wenigen Tagen in das ewige Leben. Betroffen und traurig waren wir alle, als wir von seinem Tod erfuhren. Unser Mitgefühl gilt den Verwandten und engen Freunden. Im Totenbrief des Erzbistums werden die Stationen seines Lebens genannt und gewürdigt. Unwillkürlich wird vor unserem inneren Auge lebendig, wie er sein Christsein und Priestersein gelebt hat. Jeder von uns hat seine eigene Beziehung zu ihm gehabt, und ich bin sicher, vieles kommt nachher in anderem Rahmen unter uns noch zur Sprache. Ich möchte auf meine Weise an ihn als Zeugen des Evangeliums erinnern. Und das kann ich nicht anders als in der Zwiesprache mit ihm. Es soll Ausdruck der lebendigen Hoffnung sein, dass Konni nicht verschwunden ist, sondern, dass sich an ihm jetzt erfüllt, was wir aus Jesu Mund eben im Evangelium hörten: Noch Größeres wirst du sehen, nämlich die Herrlichkeit Gottes.

„Ick saß da uff meener Ranch in Babelsberg und hatte meene Freiheit - bevor ick dann im Wedding domestiziert wurde!" Ein unverkennbar Berliner Aphorismus Beißelscher Prägnanz! Lieber Konni, so hast Du die ganze mühevolle Umstellung zusammengefasst, als Du Dich bereit erklärt hattest, nicht nur die Weddinger St. Josephspfarrei zu übernehmen, sondern zugleich mit Deinem Amtsvorgänger Bernhard van Nahmen (an den ich hier noch einmal dankbar erinnern darf) und mir eine Vita communis zu beginnen: das Zusammenleben dreier Fokolarpriester unter einem Dach - nicht aus praktischen Motiven, sondern im Vertrauen darauf, dass sich die Zusage Jesu „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen" (Mt 18,20) auch unter uns erfüllen könnte.

Das war beileibe nicht immer leicht - mit uns drei doch sehr unterschiedlich geprägten Leuten! Und jeder von uns hatte seinen Gesprächspartner außerhalb, wo er mal klagen konnte. Und doch: Es ist keine Beschönigung, wenn ich sage: es waren bereichernde und wirklich brüderliche fünf Jahre. So hat sich - was das gemeinsame Mittagessen betrifft, Deine Theorie bewahrheitet, dass diabetikergerechtes Essen auch anderen nicht schadet. (Zur Spargelzeit haben wir die Grenzwerte dann schon mal großzügig erhöht.) Und wenn auf dem Frühstückstisch mehrere Kannen Kräutertee, Schwarztee und Kaffee standen, dann war das nicht Ausdruck von Skurrilität, sondern von brüderlicher Toleranz. Von Geschichtsbewusstsein, Ideenreichtum und Hartnäckigkeit kündet Dein Engagement, den Märtyrer der Nazizeit Max-Josef Metzger zu würdigen, der in unserem Haus, das damals Piusstift hieß, im Kreis seiner Christkönigschwestern gelebt hatte und hier schließlich wegen Hochverrates verhaftet wurde. Die Gedenktafel am Pfarrhaus, der Gedenkstein an der Müllerstraße und der damit verbundene „Max-Josef-Metzger-Park" gehen auf Deine Initiative zurück. Dabei wurde Dir auch der Bezirksbürgermeister ein freundschaftlicher Bundesgenosse, dessen Anschauungen sicher nicht mit allen Deinen Ansichten konform gingen. Mehr noch konntest Du den Gottesdienstort unter dem Altarraum der Josephskirche als Märtyrerkrypta prägen. Das zentrale große Kreuz, in dem ein angedeutetes Fallbeil steckenbleibt, lässt mich heute an eine Passage aus dem Hymnus im Brevier des Festes Kreuzerhöhung - Deines Todestages - denken: „Du, die Planke, die uns rettet aus dem Schiffbruch dieser Welt; du, gesalbt vom Blut des Lammes, Pfosten, der den Tod abhält." Das hast Du an dem strengen Altar vor diesem Kreuz in jeder heiligen Messe mit großem Ernst begangen. Heute liegt auf Deinem Sarg die eigens für Dich entworfene Metzger-Stola, die in ihrer Farbsymbolik das Leben dieses Glaubenszeugen widerspiegelt. Mit Bewusstsein hat der Künstler sie an den Schultern schwarz-violett gestaltet: dort, wo das Fallbeil traf. So erinnerte sie Dich jedesmal daran, dass die Jesusnachfolge wirklich das Riskieren von Kopf und Kragen einschließt. Auf Deine Weise hast Du das im Bistum mit der getrennten Stadt, Deiner Heimat, gelebt und mitgetragen.

Großer Ernst: der hat Dich auch in den Seelsorgefragen des Alltags geleitet: Unvergessen ist mir, wie Du einmal einen Bestatter und andere Verantwortliche zur Raison gebracht hast, als der Tod einer Altenheimbewohnerin Dir nur auf Nachfrage trocken mitgeteilt wurde, obwohl sie treu zur monatlichen Messe im Tagesraum gekommen war. Du hast Dich für eine würdige Abschiedsfeier im kleinen Kreis einiger Bekannter stark gemacht, weil niemand sonst sich darum gekümmert hatte. Großer Ernst und Treue zum Glaubensbekenntnis in speziellem Berliner Kolorit hat Dich auch bewegt, als Du die Erstellung zweier CDs mit Predigten und Ansprachen von Kardinal Bengsch angeregt, begleitet und mit eigenen Photos bereichert hast; dazu Orgelmusik aus der Kathedrale. Für viele, die Kardinal Bengsch gekannt haben, eine kostbare Erinnerung; für andere wie mich, die ihn leider nicht mehr kennenlernen konnten, ein beeindruckendes Zeugnis von tiefer Frömmigkeit und kraftvoller Verkündigung. Eine andere - öffentlichkeitswirksame - Ehrung dieses beeindruckenden Bischofs geht auf Deine Initiative zurück: die Anbringung einer „Berliner Gedenktafel" an dem Haus in Schöneberg, wo er aufgewachsen war - ganz nahe bei Deiner eigenen elterlichen Wohnung.

Geprägt hat Dich in besonderer Weise die Liebe zur Eucharistie und zur Kirche. Mit Freude hast Du erleben dürfen, dass auch aufgrund Deiner Anregungen die Priester in der gemeinsamen Konzelebration mit dem Bischof in der Missa chrismatis der Karwoche ihre Weiheversprechen erneuern konnten. Die Liebe zur Kirche hast Du auch in vielen Jugendlichen geweckt und gestärkt. Das gilt für die Zeit in Schöneiche, wo Du schon begonnen hast, junge Männer zum Priesterberuf zu ermutigen, oder später, als Du junge Leute mit der Fokolarbewegung in Kontakt gebracht und in den Pfarrequipes auf ihrem Berufungsweg begleitet hast. Vielen Menschen hast Du - nachdem Du Dich selber auf diesen geistlichen Weg gemacht hattest - diesen Weg zu einem alltagstauglichen und widerstandsfähigen Christentum gewiesen. Du hast mit viel Engagement, besonders auch gegenüber Natalia Dallapiccola, der ersten Gefährtin von Chiara Lubich, und zusammen mit ihr an der Wiege der beginnenden Fokolarbewegung in der damaligen DDR gestanden. Sie hat mit Dir auch in einer besonderen, engen emotionalen Beziehung gestanden. Dir half auch die Gabe der Spontaneität - später manchmal im Gewand der Sprunghaftigkeit - die Dir eine gewisse Frische erhielt, mit der Du andere überraschen und für Deine Ideen gewinnen konntest. Davon profitierte auch Deine spätere Tätigkeit in verantwortlicher Position für die Caritas, die Du gerne wahrgenommen hast. Zu den eher Beißelspezifischen „Kirchenbräuchen" gehörte Deine unkonventionelle Weise, neu erworbene Rosenkränze zu segnen: Du versenktest sie in dem nächst erreichbaren Weihwasserbecken und machtest ein Kreuzzeichen darüber. Das habe ich gern von Dir übernommen.

Lieber Konni, wenn ich von Deinen Charakterzügen spreche, dann fallen mir weitere Stichworte ein: Du hattest die Gabe der Sensibilität in ihren beiden Aspekten: die Empfindsamkeit gegenüber anderen und die Empfindlichkeit, was Dich selbst betraf: Als ich - noch vor der Wende - in Deiner Gegenwart über den ersten 4-Takt-Wartburg spottete, der mit einem Golf-Motor auf dem DDR-Markt erschienen war, hatte ich bei Dir eine Wunde getroffen, die dem verhassten Zwangssystem geschuldet war, zu dem Du - wie viele andere - immer in großer Distanz geblieben bist: Na, lass mal: wir hätten ooch jern andere Autos jefahren, wenn wir jekonnt hätten!

Sensibel - d.h. auch spitz und zielsicher habe ich Dich erlebt. Wenn Du von Deinen Dienstjahren in der Nähe des Bischofs erzähltest, wähltest Du gerne die Formulierung: „Als ick noch bei Hofe war..." Nach Klerikalismus klang das nie. Das kommt auch in einer anderen von Dir gern erzählten Anekdote zum Ausdruck: Die Unterschrift unter Deine Briefe hattest Du in dieser Zeit gern ergänzt um das Kürzel „Do-vi" für „Domvikar" - allerdings in der lauernden Erwartung man möge Dich danach fragen. Dann konntest Du parieren: „Ja, ich bin doch hier der Do-vi!" - Genüsslich konntest Du auch erzählen, wie Du wegen eines Verwaltungsfehlers zweimal mit einer Urkunde den Titel „Pfarrer" verliehen bekamst. Die Bitte, eine davon zurückzugeben, hast Du mit der Mitteilung beantwortet, Du würdest diese Besonderheit gern durch Einrahmen und Aufhängen beider Urkunden würdigen. Dieser Sinn für Humor entsprang bei Dir nicht Kleinkariertheit, sondern der Freude an Übertreibung und dem Sinn für Skurriles. Nicht umsonst hattest Du eine umfassende Loriot-Videothek.

B wie Beißel steht auch für Deine klassischen Lieblingskomponisten wie Bach, Beethoven, Brahms und Bruckner. B wie Beißel steht auch für Brevier. Oft habe ich Dich in den Abendstunden angetroffen, wenn Du mit müden Augenlidern aber in großer Treue die Gebetslücken noch schlossest. Manchmal ging es mit Hilfe der großen Musiker leichter; manchmal haben wir uns wieder muntergelacht und dann beschlossen - wie wir es dann nannten - gemeinsam noch etwas im Brevier zu stochern. In einem dieser gelösten Abend-Momente fiel mein Blick auf Deine kleine Sammlung von Büsten des „Alten Fritz". Die Veranlagung zum Spötter, die preußische Herkunft und Einfachheit, die Liebe zur Musik und auch die ausgeprägte Nase verband Euch. Und ich sagte: Konni, wenn ich mal an Deinem Grabe stehen sollte, dann werde ich Dir einen Deiner Alten Fritzen nachwerfen; und wenn es dann etwas poltert, dann weißt Du: das ist Bracki! (Diese Zusage möchte ich heute augenzwinkernd einlösen.) 

Lieber Konni, als Du von Babelsberg in den Berliner Wedding umzogst, hattest Du die Befürchtung domestiziert zu werden. Vielleicht war es eher die Sorge, willkürlich umgekrempelt zu werden. Ich glaube, dass alle, die Dich kannten, bestätigen werden: Zu einem „Domestiken" bist Du nicht geworden. „Hausgenosse Gottes" bist Du geworden, angelehnt an den Epheserbrief (Eph 2,19: „Ihr seid also nicht mehr Fremde ohne Bürgerrecht, sondern Mitbürger der Heiligen und Hausgenossen Gottes"). Das galt auf sehr konkrete Weise nicht nur im Wedding, auch danach in Steglitz an der Rosenkranzbasilika und dann auch im Karl-Steeb-Heim. Und nicht von außen wurdest Du umgekrempelt, sondern Du hast immer wieder in Deinem Inneren Platz geschaffen - eine Nullstelle  (das „Nulla" = Nichts, wie Chiara Lubich das nannte) - für das, was Gott Dich zusammen mit den Brüdern als seinen Willen verstehen ließ.

Als Karl-Heinz Hoefs und Georg Bauditz, die sich in den letzten Jahren am meisten um Dich bemüht haben, Dir - aus der Not geboren - zunächst nicht mehr bieten konnten als das im Souterrain gelegene Gästezimmer des Altenheimes, das gegen Einbrecher mit Gitterstäben geschützt war, hörten sie Dich sagen: „Na, da seid Ihr mich ja jetzt los. Willkommen im Knast!" Ja, lieber Konni, Alter und körperliche Einschränkung hast Du bitter erfahren müssen. Dennoch hast Du Deinem eigenen harschen Urteil nicht getraut. Nein, nicht Domestiken sind wir, sondern berufen zu Hausgenossen Gottes. Das hast Du mehr und mehr erkennen und aussprechen können: „Ja, das merke ich - Ihr meint es gut mit mir!"

Die Mitbrüder berichten, dass Du in der letzten Zeit häufig sagtest: „Ja, so ist das nun einmal." Einer sagte: Ja, das ist wirkliche Akzeptation, das ist doch genau genommen, was wir beten, wenn wir „AMEN" sagen: „So ist es und so sei es!" Und mit dem Evangelium, der Botschaft des Lebens, die wir eben gehört haben, dürfen wir glauben, dass Du nun hinübergegangen bist auf die andere Seite, wo Dich so viele schon erwarten. Wir wünschen Dir, was wir für uns selbst erhoffen: Du wirst noch Größeres sehen ... Du wirst den Himmel geöffnet und die Engel
auf- und niedersteigen sehen über dem Menschensohn. Amen.

Die Predigt zum Requiem für Pfarrer Konrad Beißel, das am 27.09.2010 auf dem St. Matthias-Friedhof stattfand, hielt Pfarrer Bernhard Brackhane, Seelsorger der Pfarrgemeinde St.-Vincenz in Menden (Sauerland).

 

Zurück

INFORMATIONEN


NEWS


GOTTESDIENST