Pfarrbriefartikel

Maria - die erste Hörerin des Evangeliums

Im Lukas-Evangelium wird die Verkündigung des Erzengels Gabriel an Maria, dass sie Mutter des „Sohnes des Höchsten" werden soll, das heißt, Mutter des Sohnes Gottes, als Prototyp einer jeden christlichen Berufung vorgestellt. „Du wirst ein Kind empfangen, einen Sohn wirst Du gebären; dem sollst Du den Namen Jesus geben." Der Name Jesus heißt übersetzt: „Jahwe - Gott - rettet". Dafür war Maria im Voraus schon von Gott auserwählt und begnadet worden. Die Worte des Engels werden entsprechend im kirchlichen Rosenkranzgebet aufgegriffen, wenn gebetet wird: „Gegrüßet seist Du, Maria, voll der Gnade, der Herr ist mit Dir." Es sind biblische Worte.

Maria hat nun in freier Entscheidung und willentlicher Mitwirkung zu der Verheißung, ein Kind kraft des Geistes Gottes zu empfangen, ihr „Ja" gesagt. Sie wurde schwanger ohne Zutun eines Mannes, allein durch das Wirken Gottes und gemäß ihres Glaubens. Sie trug das Wort, das in ihr Fleisch geworden ist, in sich. Und als sie zu Ihrer Cousine Elisabeth kam, durfte sie die Bestätigung hören: „Selig ist die, die geglaubt hat, dass sich erfüllt, was der Herr ihr sagen ließ." Die vorausgehenden Worte Elisabeths bilden den zweiten Teil des „Ave Maria" im kirchlichen Rosenkranzgebet: „Du bist gebenedeit" - das heißt gesegnet - „unter den Frauen und gebenedeit" - das heißt gesegnet - „ist die Frucht deines Leibes", gemeint ist Jesus. Ihn, den Gottes- und Menschensohn Jesus Christus, hat sie in ihrer Schwangerschaft ausgetragen und für uns geboren: Den Retter der Welt.So ist Maria das Vorausbild eines jeden Christen, der durch die Verkündigung des Evangeliums, des Wortes der Rettung und des Retters, auf geistliche Weise schwanger wird, wenn sich das gehörte Evangelium im Glauben mit dem Hörer verbindet. Jede Christin und jeder Christ ist so berufen, dieses Wort in sich, das Christus ist, in einer geistlichen Schwangerschaft auszutragen und zur Welt zu bringen. So wird dann auch für jeden von uns gelten: „Selig bist du, weil Du geglaubt hast, dass sich erfüllt, was der Herr dir sagen ließ." Es ist aber eine Schwangerschaft, die Zeit braucht und Nahrung erhält im Hören des Wortes und unter anderem im Sprechen mit Gott, das heißt im persönlichen und gemeinschaftlichen Gebet.

Wenn wir dabei Maria anrufen im Gebet des Rosenkranzes, so ist das keine Anbetung, sondern eine Verehrung, die sogar eine weitere biblische Verheißung aus dem Lukasevangelium erfüllt: Maria sprach nach dem Besuch bei ihrer Cousine Elisabeth nämlich das „Magnifikat", ihren großen Lobgesang auf Gott. Darin heißt es: „Meine Seele preist die Größe des Herrn ... , denn auf die Niedrigkeit seiner Magd hat er geschaut. Siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter. Denn der Mächtige hat Großes an mir getan und sein Name ist heilig."Maria als Prototyp eines Christen, als erste Hörerin des Evangeliums, ist so Patin für jede und jeden, die das Wort des Evangeliums gehört haben und zum Glauben gekommen sind. So können auch wir zustimmen: Denn der Mächtige hat Großes an mir getan und sein Name ist heilig.

Von Kaplan Hubert Bodenmüller

 

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