Pfarrbriefartikel

Sie sind Christus in besonderer Weise gefolgt

Am 5. November findet in der nordalbanischen Stadt Shkoder die feierliche Seligsprechung von 38 albanischen Märtyrern statt, darunter zwei deutschstämmigen Priester, die zwischen 1945 und 1974 vom kommunistischen Hoxha-Regime aufgrund ihres Glaubens getötet wurden. Papst Franziskus traf die Entscheidung zur Seligsprechung am 26. April dieses Jahres. Die albanische Bischofskonferenz hatte das Seligsprechungsverfahren im Jahr 2002 eröffnet. Die Märtyrer standen bereits im Zentrum der Reise des Papstes nach Albanien im September 2015, als er das Land aufrief, von seiner dunklen Vergangenheit zu lernen, aber mit Zuversicht in die Zukunft zu blicken. Bei einer Seligsprechung stellt die Kirche durch Urteil des Papstes fest, dass ein Verstorbener vorbildlich aus dem Glauben gelebt hat und Christus in besonderer Weise nachgefolgt ist.

Daraus ergibt sich die offizielle Empfehlung, diese Person als Fürsprecher bei Gott anzunehmen. Die Verfolgung aller religiösen Gemeinschaften begann kurz nach der Machtübernahme der Kommunisten im Jahr 1944.

Fast 2.100 Menschen, darunter katholische Priester und zahlreiche Angehörige anderer Religionen, wurden brutal ermordet. Im Jahr 1967 erklärte das Regime Albanien offiziell zu einem atheistischen Staat. Kirchliche Aktivitäten wurden nicht nur behindert, sondern explizit verboten und durch Verfolgung unterdrückt; Schulen und Priesterseminare wurden geschlossen. Kirchen wurden zerstört und Bischöfe und Priester ermordet oder verhaftet. Von sieben Bischöfen und 200 Geistlichen oder Ordensschwestern, die 1945 noch in Albanien wirkten, sank die Zahl auf einen Bischof und 30 Priester oder Nonnen bis zum Zusammenbruch des Regimes im Jahr 1991. Die katholische Kirche hatte besonders unter der Verfolgung der Religionsgemeinschaften zu leiden, weil man ihren Angehörigen unterstellte, sie seien Agenten des Papstes und damit des „westlichen Imperialismus". Die bei der katholischen Kirche üblichen grenzüberschreitenden hierarchischen Strukturen (bis

zum Heiligen Stuhl in Rom) waren den isolationistischen Kommunisten Albaniens besonders verhasst.

Unter den 38 ermordeten albanischen Katholiken, die am 5. November seliggesprochen werden, befinden sich auch zwei deutschstämmige Priester, die im Jahr 1946 das Martyrium erlitten. Pfarrer Antonius Joseph Marxen, 1906 in Köln geboren, wurde 1936 in München zum Priester für das Erzbistum Durrës in Albanien geweiht. Als Pfarrer gefangen genommen, wurde er im November 1946 bei Tirana erschossen. Pfarrer Alfons Tracki wurde 1896 im oberschlesischen Bleischwitz geboren, trat 1911 in Wien in die Kongregation der Christlichen Schulbrüder ein und unterrichtete am Kolleg in Shkoder. Während des Ersten Weltkriegs leistete er seinen Militärdienst in Breslau ab. Nach Albanien zurückgekehrt, studierte er Theologie und wurde 1925 in Shkoder zum Priester geweiht. Der Diözesanpriester wurde von der kommunistischen Regierung verfolgt und im Juli 1946 in Shkoder ermordet.

Pfarrer Tracki wirkte u.a. auch in Velipojë und Umgebung, wo sich unsere Partnerpfarrei St. Nikolaus befindet. Er war eng verbunden mit der dortigen Vorgängerpfarrei und deren Kirche, die vom Regime zerstört wurde. Gegenstände aus dieser Kirche, z.B. ein Weihrauchgefäß (siehe Bild), wurden vor einigen Jahren gefunden; sie waren kurz vor der Zerstörung in Sicherheit gebracht und eingegraben worden. Diese Objekte werden jetzt im Pfarrhaus von St. Nikolaus aufbewahrt. Die Grundschule, die sich in Velipojë zwischen Pfarreikirche und Franziskanerinnenkloster befindet, wurde nach Pfr. Alfons Tracki benannt.

Wir freuen uns mit unseren albanischen Freunden über diese großartige kirchliche Anerkennung des Glaubenszeugnisses der 38 Märtyrer!

 

 Dirk Verheyen

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